Technische Dokumentation: Sicherheitshinweise und Signalwörter gemäß ANSI Z535.6

Jeder Hersteller einer Maschine steht in der Pflicht, in der Technischen Dokumentation vor Restrisiken zu warnen. Betriebs- und Montageanleitungen enthalten daher Sicherheitshinweise. Eine der wichtigsten normativen Vorgaben zur Gestaltung von Sicherheitshinweisen ist die ANSI Z535.6-2011. Eine neue Software erleichtert es den Technischen Redakteuren des Herstellers, die jeweiligen Signalwörter in der gewünschten Sprache zu erstellen und zu platzieren.

Sicherheitshinweise in Betriebsanleitungen von Maschinen sind keine gutgemeinte Gefälligkeit des Herstellers oder Konstrukteurs. Sie sind im Gegenteil eine zentrale Forderung an den Hersteller eines Produktes. Zwar sind hierzulande die gerichtlichen Auseinandersetzungen zu Produkthaftung weniger spektakulär wie in den USA, die europäischen und deutschen Regelungen im Produkthaftungsrecht geben jedoch keinerlei Anlass, die Pflicht zum Erstellen von Sicherheitshinweisen zu vernachlässigen. Eine große Rolle in der technischen Produktdokumentation spielen dabei Signalwörter.

Was sind die rechtlichen Grundlagen?

Die Produkthaftung wird in Deutschland im Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) von 1990 geregelt. Sie wird ergänzt durch das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) von 2004. Dahinter stehen die Forderungen des Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 823), laut denen ein Hersteller schadensersatzpflichtig werden kann, sowie die Vorgaben, die sich aus der EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ergeben.

Der Hersteller eines Produkts hat laut Produkthaftungsrecht eine sogenannte Instruktionspflicht. Dazu zählen die gesetzlichen Kennzeichnungsvorschriften, z.B. laut Gefahrstoffrecht, das Formulieren von Sicherheitshinweisen sowie eine verständliche Bedienungsanleitung. Enthält eine Bedienungsanleitung Fehler oder wird vor Gefährdungen durch ein Produkt nicht in ausreichendem Maße gewarnt, so spricht man von einem Instruktionsfehler. Ein Hersteller muss vor sämtlichen Gefahren deutlich warnen, mit denen bei Verwendung des Produkts zu rechnen ist.

Was ist die ANSI Z535.6?

ANSI ist die Abkürzung für das „American National Standards Institute“, so lauter der volle Name der US-amerikanischen Stelle zur Normung industrieller Verfahrensweisen. Die deutsche Entsprechung ist das Deutsche Institut für Normung (DIN). In beiden Fällen wird die Abkürzung der Organisation, der Norm-gebenden Stelle, auch – gemeinsam mit einer Ziffernfolge – als Bezeichnung einer Norm verwendet. ANSI Z535.6 ist der Teil 6 der Norm(enreihe) Z535 mit dem vollen Titel „Product Safety Information in Product Manuals, Instructions, and Other Collateral Materials.“

Die Norm ANSI Z535.6 entstammt somit dem US-amerikanischen Normungswesen, hat sich jedoch international als Standard etabliert. Auch in Deutschland ist die ANSI-Norm als Referenz anerkannt und ihre Beachtung wird von der Gesellschaft für Technische Kommunikation – tekom e.V. empfohlen.

Mit der ANSI Z535.6 wird die Technische Dokumentation einheitlicher. Hersteller, Konstrukteure und Technische Redakteure erhalten Unterstützung beim Erstellen der Sicherheitshinweise („safety messages“) in den begleitenden Unterlagen zu einer Maschine oder einem anderen Produkt. Mehr zur Sicherheitskennzeichnung in der Benutzerinformation und den Hintergründen der ANSI Z535-Reihe lesen Sie im Werk „CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie“.

Was sind „Safety Messages“?

Sicherheitshinweise sind in der Regel Mitteilungen in Form von Text. Sie sind Teil der Betriebs- oder sonstigen Anleitung. Sicherheitshinweise können sich aber auch auf dem Produkt selbst befinden oder auf dessen Verpackung. Sicherheitshinweise enthalten sicherheitsbezogene Information zu

  • dem Typ einer Gefährdung,
  • den Konsequenzen bei Nicht-Beachtung einer Gefährdung bzw. Nicht-Vermeiden einer riskanten Situation sowie
  • den Möglichkeiten und Maßnahmen, die Gefährdung zu verringern oder die riskante Situation zu vermeiden.

Je nach Produkttyp finden sich Sicherheitshinweise in Betriebs- und Montageanleitungen, in Gebrauchsanweisungen und Bedienungsanleitungen sowie in technischen Datenblättern und Schulungsunterlagen.

Welche Arten Typen von „Safety Messages“ gibt es?

Im Zusammenhang mit der ANSI Z535.6 werden die folgenden vier bzw. fünf verschiedenen Typen von sicherheitsrelevanten Hinweisen unterschieden. Für die deutschen Übersetzungen kursieren unterschiedliche Formulierungen und Begriffe:

1)     Supplemental Directives = Ergänzende Hinweise

2)     Grouped Safetey Messages = Gruppierte oder grundlegende Sicherheitshinweise

3)     Section Safety Messages = Kapitelübergreifende, abschnittsbezogene oder vorangestellte Sicherheitshinweise

4)     Embedded Safety Messages = Integrierte (eingebundene) Sicherheitshinweise

Darüber hinaus gibt es noch die sogenannten „Property Damage Messages“; die in etwa mit „Warnhinweisen vor Sachschäden“ zu übersetzen wären.

Was sind Signalwörter?

Als Signalwörter laut ANSI Z535.6 gelten DANGER, WARNING, CAUTION und NOTICE. Die Begriffe sind den Farben Rot, Orange, Gelb und Blau zugeordnet. Sie sind so gewählt, dass man auf die Schwere der Gefahr rückschließen kann. Wie die Signalwörter zu verwenden, zu gestalten und wo sie zu platzieren sind, dazu gibt die ANSI Z535.6 klare Vorgaben. Die Grafik zeigt Beispiele für Signalwörter aus der Software WEKA Manager CE.

Beispiele für Signalwörter
Signalwörter ANSI Z535.6

Signalwörter ANSI Z535.6

Quelle: Software WEKA Manager CE, WEKA MEDIA

Die Signalwörter müssen jeweils in der Sprache der Betriebsanleitung wiedergegeben werden. Auf Deutsch lauten Sie GEFAHR, WARNUNG, VORSICHT und HINWEIS. Gefahr wird im Deutschen oft mit der Art der Gefahr spezifiziert, etwa zu „Quetschgefahr“ oder „Einzugs- und Verletzungsgefahr“. Diese Konkretisierung ist durchaus im Sinne der ANSI Z535.

Alle relevanten Fakten zur Betriebsanleitung finden Sie hier.

 

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