Neue Sicherheitsnormen zu Ballenpressen und Verdichtern

Ballenpressen verdichten Abfälle und recycelbare Materialien. Damit werden Lagerflächen eingespart, der Logistikkaufwand sinkt und Transportvorgänge werden vereinfacht. Problematisch bei den dazu eingesetzten Pressen und Verdichtern ist jedoch die Zahl der schweren Unfälle. Arbeitsschutzeinrichtungen aus verschiedenen europäischen Ländern haben dies zum Anlass genommen, in einem Projektkomitee gemeinsam harmonisierte Sicherheitsnormen für diese Technik zu erarbeiten.

Eine zentrale Rolle in Verfahren der Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung spielen europäische Normen. Die meisten dieser Normen konkretisieren die Anforderungen der Maschinenrichtlinie hinsichtlich Sicherheit und Gesundheitsschutz des bedienenden Personals von Maschinen und anderen Produkten. Dass Sicherheit kein statisches Konstrukt ist, sondern immer wieder an den Stand der Technik, Ergebnisse aus der Unfallforschung oder neue arbeitsmedizinische Erkenntnisse usw. angepasst werden muss, zeigt das folgende Beispiel.

Ballenpressen verdichten Müll und sparen Kosten

Müll braucht Platz, zum Lagern und zum Transportieren. Dieser Platz ist teuer. Daher haben sowohl Unternehmen, wo größere Mengen an Verpackungsmaterialien oder anderen Abfällen anfallen, wie Betriebe, die solche Abfälle entsorgen und der Verwertung oder dem Recycling zuführen, ein großes Interesse daran, die Müllvolumina zu verringern. Dies geschieht in den meisten Fällen durch Verdichtung durch spezielle Maschinen, welche durch starke Presskräfte jeden überflüssigen Hohlraum hinwegquetschen. Somit muss keine „überflüssige Luft“ gelagert oder transportiert werden und die Abfallmengen sind bei gleichem Gewicht wesentlich kompakter und – zumal in verschnürter Form (s. Foto) – leichter zu handhaben.

Recycelbare Kartonabfälle nach Verdichtung
Ballenpressen

Bildquelle: Thinkstock

 

Diesem Verdichten von Abfällen oder recycelbaren Materialien dienen Ballenpressen. Die Pressen arbeiten entweder mit horizontaler oder mit einer vertikalen Zuführung. Einige Bauformen werden auch als Verdichter bezeichnet. Ballenpressen und Verdichter sind oftmals stationäre Anlagen. Es gibt aber auch Modelle, die transportabel sind und zu ihren Einsatzorten bewegt werden können.

Die Maschinen pressen u. a. Papier, Pappe, Plastik und Textilien, aber auch Dosen oder gemischte Abfälle kleinvolumig zusammen. Somit passt wesentlich mehr Material in einen Abfallcontainer oder es werden Lagerflächen eingespart. Die Steigerung der Ladekapazität von Containern hat auch zur Folge, dass die Zahl der Fahrten für Entsorgungsprozesse sinkt und damit auch die Personalkosten und der Aufwand für die Logistik.

Schwere und tödliche Unfälle zeigen Normungsbedarf

Diesen Vorteilen für Unternehmen und Umwelt gegenüber steht, dass Ballenpressen und Verdichter als unfallträchtig gelten. Immer wieder geraten Beschäftigte oder Dritte aus Sorglosigkeit, Unwissenheit oder anderen Gründen mit ihrem Körper oder Teilen davon in die Presskammer. Die Verletzungen sind meist schrecklich und in vielen Fällen ist das Leben der Unfallopfer nicht mehr zu retten oder sie bleiben verkrüppelt.

Diese Gefahren und Sicherheitsrisiken von Ballenpressen sind unter Arbeitsschutzexperten bekannt, z. B. bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW, ab 1.1.2015 BG Handel und Warenlogistik). In einer beispielhaften internationalen Zusammenarbeit der BGHW mit anderen Partnern im europäischen Netzwerk EUROSHNET wurden in den letzten Jahren drei neue Sicherheitsnormen für Ballenpressen und Verdichter erarbeitet und ab März 2013 veröffentlicht.

Normungsarbeit führt zu drei neuen Sicherheitsnormen

Fokus bei diesem Normungsprozess war, den Zugang zur Presskammer bei laufendem Betrieb und damit Unfälle zu verhindern. Mit der vor wenigen Wochen im Oktober veröffentlichten DIN EN 16500 liegen nun die folgende drei neuen Sicherheitsnormen vor:

1.     DIN EN 16252:2013-03: „Maschinen zum Verdichten von Abfällen oder recyclebaren Materialien – Horizontal arbeitende Ballenpressen – Sicherheitsanforderungen“. Diese Typ-C-Norm legt die Sicherheitsanforderungen fest für Pressen, die mechanisch oder händisch beschickt und verschnürt werden. Sie umfasst auch die Förderbänder oder andere Zuführeinrichtungen. Nicht unter die Norm fällt die Vorbehandlung der zu verdichtenden Materiallein, z. B. durch Shredder, und das Zuführen durch mobile Maschinen wie Flurförderfahrzeuge oder Krane.

2.     DIN EN 16486:2014-10: „Maschinen zum Verdichten von Abfällen oder recyclebaren Materialien – Verdichter – Sicherheitsanforderungen“. In dieser Norm geht es um die Sicherheit von Verdichtern zum Verdichten von Abfällen oder Recycling-Materialien, Im Fokus stehen die verdichtenden Maschinenteile und -funktionen wie bewegliche Schnecken, Pendel oder Platten.

3.     DIN EN 16500:2014-10: „Maschinen zum Verdichten von Abfällen oder recyclebaren Materialien – Vertikale Ballenpressen – Sicherheitsanforderungen“. Diese Norm konkretisiert die Anforderungen der Maschinenrichtlinie hinsichtlich vertikaler Ballenpressen. Darunter fallen Bauformen mit einer oder mehreren fest umschlossenen Presskammern. Die Zuführung erfolgt manuell oder mechanisch. Die Presseinheit kann mechanisch, hydraulisch oder pneumatisch betrieben sein. Diese Norm gilt nicht für vertikale Ballenpressen ohne fest umschlossene Presskammer(n) oder für Rundballenpressen, wie sie in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Alle drei Normen konkretisieren die Anforderungen aus Anhang I der EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Für alle drei Normen gilt die Vermutungswirkung, sobald sie im Amtsblatt der Europäischen Union als harmonisierte Normen vorgestellt wurden. Das bedeutet, dass ein Hersteller, welche die Anforderungen der jeweiligen Norm eingehalten hat, davon ausgehen kann, dass er die produktbezogenen wesentlichen Anforderungen gemäß Maschinenrichtlinie erfüllt hat.

Außergewöhnliche länderübergreifende Zusammenarbeit

In der Normungsarbeit der drei genannten Normen haben Arbeitsschutzexperten, Hersteller, Anwender und Behörden aus acht europäischen Ländern zusammengearbeitet. Die Initiative für die Normungsarbeit ging von nationalen Arbeitsschutzeinrichtungen aus, was nicht selbstverständlich ist.

In den seit 2009 stattfindenden Sitzungen zeigten sich zum Teil erhebliche Unterschiede in der Sicherheitsphilosophie für Maschinen zum Verdichten von Abfall zwischen den einzelnen Ländern. Dies zeigt ein Bericht der Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) von Dezember 2014, der im Übrigen einen interessanten Einblick in die europäische Normungsarbeit gibt.

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