Lärmemissionen von Maschinen: Angaben oft unzureichend!

Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG macht unter anderem Vorgaben zum Lärm von Produkten. Denn Lärm kann Anwender und Beschäftigte gesundheitlich massiv belasten. Angaben zur Lärmemission einer Maschine sind daher verpflichtend vorgeschrieben. Für den Hersteller bedeutet dies, dass Lärmpegel gemessen und deklariert werden müssen. Eine im Dezember vorgelegte europaweite Studie der Marktüberwachungsbehörden beklagt eklatante Defizite bei den Lärmangaben laut Maschinenrichtlinie.

Im Projekt NOMAD (NOise MAchinery Directive) arbeiten Marktüberwachungsbehörden aus insgesamt 14 EU- und EFTA-Staaten zusammen. Ziel ist eine Überprüfung und Bewertung, in welchem Ausmaß Maschinenhersteller Geräuschemissionsangaben zur Verfügung stellen. Dazu wurden mehr als 1500 Benutzerinformationen aus 40 Maschinengruppen untersucht, die in Europa in Verkehr gebracht wurden.

In 8 von 10 Fällen unzureichende Lärmangaben von Maschinen

Das Ergebnis der Lärm-Untersuchung ist erschreckend. In etwa 80 Prozent der untersuchten Maschinen war die Dokumentation für den Benutzer nicht ausreichend und die Angaben wiesen teils eklatante Mängel auf. Beanstandet wurden insbesondere folgende Versäumnisse:

  • Die Benutzerinformationen waren unvollständig, weil z.B. numerische Angaben zur Lärmbelastung ganz fehlten.
  • Die Benutzerinformationen waren nicht nachvollziehbar.
  • Die Messmethoden und Rahmenbedingungen der Lärmmessungen waren nicht angegeben.

Den Benutzern einer Maschine werden damit diejenigen Angaben vorenthalten, die sie benötigen, um auf Lärmemissionen angemessen zu reagieren. Dem Arbeitgeber und den für Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zuständigen Personen wie Betriebsarzt oder Sicherheitsfachkräfte fehlt somit die Grundlage, um ggf. geeignete Maßnahmen zum Lärmschutz festzulegen.

Lärm kann krank machen – 5 Mio. Betroffene in Deutschland

Knapp 5 Millionen Beschäftigte sind in Deutschland gesundheitsgefährdendem Lärm (> 80 dB(A) ausgesetzt. Die Einschätzung von Arbeitsmedizinern ist eindeutig. Lärm am Arbeitsplatz stellt eine gesundheitliche Belastung dar. Bei hohen Lärmpegeln droht Schwerhörigkeit. Aber schon bei mittleren Geräuschemissionen kommt es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen: Die Kommunikation und Aufmerksamkeit werden gestört und die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Der Blutdruck und das Risiko für Herzinfarkt können steigen, es kommt zu Gereiztheit und bei längerdauernder Exposition drohen Schlafstörungen. Je anspruchsvoller und konzentrationsfordernder eine Tätigkeit ist, desto größer ist das Störpotenzial durch ungewollte Geräusche.

Das europäische NOMAD-Projekt ist eine europaweite Marktaufsichtsaktion zur Geräuschemissionsangabe nach Maschinenrichtlinie. Ziel ist, das Bewusstsein zu Lärmrisiken und Gehörschäden zu erhöhen sowie die Tragequote und sachgemäße Verwendung von Gehörschutz zu verbessern. An vielen Arbeitsplätzen sind die hohen Geräuschemissionen von Maschinen die Hauptquelle einer Lärmbelastung.

Minimierungsgebot: Lärmbelastung so niedrig wie möglich!

Für den Arbeitsschutz vor Ort ist die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) maßgeblich. Sie fordert u. a. die Berücksichtigung von Lärm bei Gefährdungsbeurteilungen und verpflichtende Schutzmaßnahmen bei festgelegten Auslöse- und Expositionsgrenzwerten. Für den Hersteller gelten die gesetzlichen Vorgaben aus Maschinenrichtlinie (MRL) und Produktsicherheitsgesetz (ProdSG), die ein Minimierungsgebot postulieren. Das bedeutet:

  1. Lärmminderung muss an der Quelle des Lärms ansetzen.
  2. Maschinen sind so zu konstruieren, dass sie möglichst leise arbeiten (MRL 1.5.8).
  3. Angaben zu den Geräuschemissionen gehören zu den verpflichtenden Informationen zu den sogenannten Restgefahren.

Diese Angaben sollten Ihre Benutzerinformationen enthalten

Laut Befund der NOMAD-Studie sind die Lärmangaben von Maschinen in 8 von 10 Fällen nicht ausreichend. Der technische Dialog zwischen Hersteller und Kunde in Sachen Lärm ist stark verbesserungswürdig. Denn für Geräuschemissionsangaben nach EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG gilt die Forderung, dass folgende Angaben zur Geräuschemission in der Betriebsanleitung und in den Verkaufsprospekten vorhanden sein müssen:

  • der Emissionsschalldruckpegel LPA am Arbeitsplatz, sofern dieser über 70 dB(A) * liegt (bei geringeren Werten ist „< 70dB(A)“ anzugeben)
  • der Schalleistungspegel LWA der Maschine, sofern dieser am Arbeitsplatz über 80 dB(A) beträgt.
  • der Spitzenschalldruckpegel LpC,peak am Arbeitsplatz, wenn dieser Wert über 130 dB liegt.

* Die Einheit dB steht für Dezibel. Der Buchstabe A weist darauf an, dass das unterschiedliche Hörempfinden des Menschen bei verschiedenen Frequenzen berücksichtigt wird.

Nützlich ist das folgende Formular „Geräuschdatenblatt“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Anlehnung an DIN EN ISO 11690-1. Es listet tabellarisch die Geräuschemissionsdaten, die von den Maschinenherstellern zur Verfügung gestellt werden sollten sowie angabepflichtige Emissionswerte.

Pflichtangaben des Maschinenherstellers zu Geräuschemissionen

Geräuschedatenblatt Maschinenhersteller Pflichtangaben

Quelle: http://www.gefaehrdungsbeurteilung.de (BAuA)

Keine Lärmgrenzwerte in Maschinenrichtlinie

Beachten Sie: Als Maschinenhersteller bleiben sie für den Anteil ihrer Maschine an den durch Lärm verursachten Risiken für den Anwender verantwortlich und müssen Lärm in der Risikobeurteilung berücksichtigen. Stellen Sie sicher, dass ihre Angaben zu Geräuschemissionen die folgenden Punkte erfüllen:

  1. Die Lärmangaben sind unter verschiedenen Betriebsbedingungen zu ermitteln, z.B. bei Leerlauf und unter Last. Maßgeblich sind Geräuschtestnormen wie ISO 7960 „Luftschallemission von Werkzeugmaschinen …“ sowie die Grundnormen EN ISO 3744 „Akustik – Bestimmung der Schallleistungs- und Schallenergiepegel von Geräuschquellen aus Schalldruckmessungen …“ und EN ISO 11200 ff „Akustik – Geräuschabstrahlung von Maschinen und Geräten – Messung von Emissions-Schalldruckpegeln am Arbeitsplatz …“.
  2. Die Mess- und Betriebsbedingungen sind anzugeben.
  3. Die Angaben zu den Geräuschemissionen müssen vollständig sein, in angemessener Terminologie und mit den zutreffenden Einheiten.
  4. Es sollten auch Angaben zur Messunsicherheit vorhanden sein.
  5. Die reinen Zahlenwerte sind um Hinweise zum sicheren Betrieb wie Gehörschutz, Aufstellbedingungen, Wartung, Maßnahmen zur Lärmminderung zu ergänzen.

Bei den 1.500 untersuchten Dokumentationen aus mehr als drei Dutzend verschiedenen Maschinengruppen waren die geforderten Angaben nur in weniger als 15 Prozent der Fälle korrekt und komplett! Zum Teil waren Angaben zu Geräuschemissionen einfach von Maschinen von konkurrierenden Herstellern abgeschrieben und übernommen worden. Solche Angaben sind für den Käufer und Anwender einer Maschine nutzlos. Nur mit vollständig, konsistenten und glaubhaften Angaben zu den Lärmemissionen erhalten Einkäufer die notwendigen Informationen, um gezielt leise Maschinen auszuwählen.

Fazit: Die Maschinenrichtlinie legt zwar keine konkreten Grenzwerte für Geräuschemissionen fest. Sie macht jedoch klare Vorgaben, Lärmrisiken zu minimieren und dem Anwender sämtliche lärmrelevanten Informationen zur Verfügung zu stellen.

Alle relevanten Fakten zur Maschinenrichtlinie finden Sie hier.

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