Not-Aus oder Not-Halt? Hauptsache ausgeschaltet, angehalten, stillgesetzt …

Not-Aus, Not-Halt, Not-Stopp? Was so ähnlich klingt, führt selbst unter Experten bisweilen zu Missverständnissen. Dabei sind Notbefehlseinrichtungen oder NOT-HALT-Befehlsgeräte, wie sie heute genannt werden, eines der wichtigsten Sicherheitselemente von Maschinen und Anlagen. Lesen Sie hier, was die Maschinenrichtlinie diesbezüglich fordert.

Verwirrend ist nur die Begrifflichkeit. Mal heißt es Not-Aus, mal Not-Halt. Dazu kommen verschiedene Übersetzungsversuche des englischen Fachterminus „emergency stop“ wie z.B. Not-Stopp. Das damit angesprochene Sicherheitskonzept dagegen ist im Grunde sehr einfach: Mit einem einzigen Handgriff soll eine Maschine oder Anlage in einer gefährlichen Situation zum Anhalten oder Stillstand gezwungen werden können. Eine typische und häufige Lösung für diese Anforderung ist das Unterbrechen der Stromzufuhr.

Not-Aus betont das Ausschalten der Versorgung mit elektrischer Energie, z.B. um das Risiko für einen Stromschlag oder eine andere Gefährdung zu verringern. Not-Halt betont eher ein Stillsetzen, das bewusste Anhalten einer Bewegung oder eines Prozesses in Notfällen.

Vom Not-Aus zum NOT-HALT

Auch die Maschinenrichtlinie selbst hat zur Verwirrung beigetragen. In der alten Maschinenrichtlinie 98/37/EG wurde in Kapitel 1.2.4. „Stillsetzen“ unter „Stillsetzen im Notfall“ der Begriff Not-Aus verwendet. Gefordert wird hier, Maschinen mit einer oder mehreren Notbefehlseinrichtungen auszurüsten, durch die drohende gefährliche Situationen vermieden werden können.

In der gesamten neuen Maschinenrichtlinie kommt dagegen das Wort „Not-Aus“ kein einziges Mal mehr vor. In der Richtlinie 2006/42/EG haben sich die Begriff NOT-HALT sowie NOT-HALT-Befehlsgeräte durchgesetzt. Sie tauchen 1) sogar in Großbuchstaben auf und 2) deutlich öfter als noch in der alten MRL, und zwar in den Kapiteln 1.2.2 „Stellteile“, 1.2.5. Wahl der Steuerungs- oder Betriebsarten, 1.2.4.3 „NOT-HALT-Befehlsgeräte – Stillsetzen im Notfall“, 1.2.4.4 Gesamtheit von Maschinen und 6.2 „Stellteile“.

 

Stopp durch Rot auf Gelb

Für die Art und Weise der technischen Umsetzung von NOT-HALT-Befehlsgeräten gibt es verschiedene Lösungen. Üblich sind:

  • Pilztaster: rund, meist in roter Signalfarbe auf gelbem Grund, mit oder ohne Beschriftung, auch abschließbar, die nach Drücken eine Maschine oder Anlage stoppen (s. Foto)
  • Drehschalter: ebenfalls meist in Rot auf Gelb
  • Lichtschrankensystem: optoelektronische Schutzeinrichtung mit Sicherheits-Lichtschranke und Sensoren/Auswertegerät, typischerweise als Zutrittssicherung, z.B. für Holzbearbeitungsmaschinen oder Hochregalläger
  • Seilzugnotschalter = Not-Aus/Halt-Schalter, die per Reißleine betätigt werden, typischerweise für Förderbänder oder andere weiträumigere Anlagen, Reißleine in Rot
NOT-HALT-Pilztaster

NOT-HALT-Pilztaster

Quelle: Thinkstock

Relevant für die Konstruktion von NOT-HALT-Systemen sind in erster Linie folgende Normen:

DIN EN 60204-1 VDE 0113-1:2011-01 „Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen“. Definitionen für Not-Aus und Not-Halt finden sich im Anhang der DIN EN 60204-1 bzw. VDE 0113.

DIN EN ISO 13850:2008-09 „Sicherheit von Maschinen – Not-Halt – Gestaltungsleitsätze (ISO 13850:2006)“, deutsche Fassung EN ISO 13850:2008. Auch die EN ISO 13850 verwendet den Begriff „Not-Halt“. Sie ersetzt die frühere EN 418:1992, in welcher von Not-Aus die Rede war.

Das sagt die Maschinenrichtlinie

Wichtig zu wissen sind zudem die folgenden Grundregeln, welche die Maschinenrichtlinie 2006/432/EG für NOT-HALT-Systeme vorgibt:

  • Maschinen, die von Hand gehalten oder geführt werden, sind von der Pflicht zu NOT-HALT-Befehlsgeräten ausgenommen (Hier genügt das Ziehen des Netzsteckers.)
  • NOT-HALT-Befehlsgeräte dürfen nicht als Ersatz für andere Schutzmaßnahmen dienen, sie dürfen diese jedoch ergänzen.
  • NOT-HALT-Funktionen müssen unabhängig von der aktuellen Betriebsart einer Maschine jederzeit verfügbar und betriebsbereit sein.
  • NOT-HALT-Funktionen müssen bei zusammenwirkenden Maschinen oder Maschinenteilen nicht nur die Maschine selbst, sondern alle damit verbundenen Einrichtungen stillsetzen, wenn davon bei Weiterlaufen eine Gefahr ausgehen kann. (MRL 1.2.4.4)

Weitere Anforderungen ergeben sich später für den Anwender auch aus dem berufsgenossenschaftlichen Regelwerk. So sind z. B. Zentrifugen vor der ersten Inbetriebnahme zu prüfen und zum Prüfumfang gehört auch die Anordnung der Stellteile von Not-Halt-Einrichtungen.

Hinweis für Technische Redakteure: Der begriffliche Wechsel von Not-Aus zu NOT-HALT bedeutet nicht unbedingt, dass Not-Aus in Betriebsanleitungen und der Technischen Dokumentation nicht mehr verwendet werden darf. Wenn ein Not-Aus die Funktion besser beschreibt als ein NOT-HALT, ist der Begriff durchaus gerechtfertigt.

Alle relevanten Fakten zur Maschinenrichtlinie finden Sie hier.

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