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Maschinenrichtlinie

Brandgefahren durch Maschinen – Was fordert die DIN EN ISO 19353?

Die DIN EN ISO 19353 ist für den Maschinenkonstrukteur die zentrale Norm für Brandschutzanforderungen. Sie befasst sich mit dem vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz von Maschinen. Die Norm zeigt das Vorgehen, um die von einer Maschine ausgehenden Brandgefahren auf ein akzeptables Niveau zu senken.

Die aktuell gültige DIN EN ISO 19353:2019-06 hat die DIN EN ISO 19353 von 2016 ersetzt, welche wiederum die Vorläufernorm DIN EN 13478 abgelöst hatte.

Was sind die Aufgaben der DIN EN ISO 19353?

Die DIN EN ISO 19353 dient dazu,

  • grundlegende Begriffe und Methoden für Brandschutzmaßnahmen festzulegen, die bei der Konstruktion und Fertigung von Maschinen zu berücksichtigen sind,
  • Methoden zu bestimmen, mit deren Hilfe von einer Maschine ausgehende Brandgefahren erkannt werden,
  • zu zeigen, wie Brandrisiken von Maschinen auf ein akzeptables Maß begrenzt werden und
  • aufzuzeigen, wie eine Risikobeurteilung durchgeführt wird.

Viele Begriffe aus dem Brandschutz erscheinen zwar unmittelbar verständlich. Dennoch ist es hilfreich, dass die Norm auf die Terminologie eingeht und die Bedeutung bestimmter Fachbegriffe erläutert, z. B. Brennbarkeit, Löschöffnung, Löschmittel, Überhitzung, Selbstentzündung oder Zündenergie.

Der Geltungsbereich der DIN EN ISO 19353

Die EN ISO 19353 gilt nicht für

  • ortsveränderliche, d. h. mobile Maschinen
  • Maschinen für kontrollierte Verbrennungsprozesse (z. B. Verbrennungsmotoren, Öfen), es sei denn, dass diese Prozesse die Zündquelle für einen Brand in anderen Teilen der Maschine oder außerhalb derselben sein können
  • Maschinen, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden, und Explosionsschutzmaßnahmen
  • Brandmeldeanlagen und Systeme zum Löschen (Feuerlöschanlagen), die in das Brandschutzsystem des Gebäudes integriert sind

Im Übrigen gilt die Norm nicht für Maschinen (oder deren Bauteile), die vor ihrer Veröffentlichung hergestellt wurden.

Was ist neu in der DIN EN ISO 19353 gegenüber der Normversion von 2016?

Die DIN EN ISO 19353 hat im Juni 2019 die zuvor geltende DIN EN ISO 19353:2016-07 abgelöst. Die Änderungen sind im Wesentlichen redaktioneller Natur und haben keine großen Auswirkungen für den Konstrukteur bzw. den Anwender dieser Norm.

Die vielleicht auffallendste Veränderung der neuen Fassung besteht darin, dass ein Beispiel für die Auswahl und Qualifizierung einer Brandmelde- und Löschanlage hinzugekommen ist. Dieses wurde dem neuen Anhang B zugeordnet. In der Folge mussten die bestehenden Anhänge neu sortiert und teils umbenannt werden. Der frühere Anhang E ist entfallen.

Der Bezug der DIN EN ISO 19353 zur Maschinenrichtlinie

Die Maschinenrichtline 2006/42/EG äußert sich im Kapitel 1.5.6 zu den Brandschutzanforderungen. Demnach muss eine Maschine so konstruiert und gebaut sein, „dass jedes Brand- und Überhitzungsrisiko vermieden wird“. Im Folgenden wird dann näher ausgeführt, dass ein Brandrisiko

  • von der Maschine selbst,
  • von Gasen,
  • von Flüssigkeiten,
  • von Stäuben,
  • von Dämpfen oder
  • von anderen von der Maschine freigesetzten oder verwendeten Stoffen

ausgehen kann. Der Leitfaden zur Maschinenrichtlinie weist darüber hinaus auf das Risiko hin, dass der Brand einer Maschine nicht nur die Maschine selbst, sondern auch umliegende Anlagen und Gebäude zerstören kann.

Die DIN EN ISO 19353 löst die Konformitätsvermutung nach Maschinenrichtlinie 2006/42/EG aus. Das heißt, der Hersteller kann davon ausgehen, dass sein Produkt die auf die Norm bezogenen Anforderungen der Maschinenrichtlinie an Sicherheit und Gesundheitsschutz – hier genauer: Brandschutz – erfüllt, wenn er das Produkt nach den Vorgaben der Norm konstruiert hat. In einem Anhang geht das Normdokument auf die Zusammenhänge zwischen den grundlegenden Anforderungen der abzudeckenden Richtlinie 2006/42/EG und der DIN EN ISO 19353 ein.

Die EN ISO 19353 ist eine Typ-B1-Norm. Ihre Anforderungen können jederzeit durch eine (spezifischere oder konkretere) Typ-C-Norm ergänzt oder geändert werden. Fällt eine Maschine in den Anwendungsbereich einer Typ-C-Norm und ist entsprechend den Anforderungen dieser Norm gestaltet und konstruiert, dann gelten die Anforderungen dieser Typ-C-Norm vorrangig.

Vorbeugender und abwehrender Brandschutz für Maschinen – Was ist damit gemeint?

Im Titel der Norm ist von vorbeugendem und von abwehrenden Brandschutz die Rede. Ähnlich wie bei Brandschutz von Gebäuden werden auch beim Brandschutz für Maschinen vorbeugende und abwehrende Maßnahmen unterschieden.

Beim vorbeugenden Brandschutz geht es – der Begriff deutet es bereits an – um die Prävention. d. h. um Maßnahmen, die das Entstehen und das Ausbreiten eines Brandes verhindern. Diese Maßnahmen können technischer, baulicher oder organisatorischer Natur sein. Beim abwehrenden Brandschutz geht es um das Geschehen, wenn es – trotz aller vorbeugenden Maßnahmen – zu einem Brand kommt. Der abwehrende Brandschutz betrifft daher die Aufgaben der Feuerwehr, die Möglichkeiten zum Löschen und wie Folgeschäden zu begrenzen sind.

Wie ein Brand entsteht

Aus Sicht eines Chemikers könnte man einen Brand als eine ungehemmte chemische Kettenreaktion bezeichnen. Die Gefahr, dass eine solche Kettenreaktion ausgelöst wird, ist immer dann gegeben, wenn drei Faktoren zur selben Zeit und am selben Ort zusammenkommen: ein Brennstoff, Sauerstoff und eine Zündquelle.

Das Verbrennungsdreieck

Das sogenannte Verbrennungsdreieck macht diesen Zusammenhang deutlich. Der brennbare Stoff kann einerseits ein Werkstoff sein, welcher der Maschine zugeführt wird, z. B. Holz oder Karton, andererseits aber auch ein Stoff, der von der Maschine erzeugt wird. Zudem kann auch ein brennbarer Teil der Maschine zu einem Brennstoff i. S. des Verbrennungsdreiecks werden.

Der Sauerstoff entstammt der Luft, kann aber auch aus oxidierenden Substanzen stammen, die bei dem maschinellen Prozess eine Rolle spielen. Als Zündquellen kommen eine Vielzahl von Faktoren infrage. Neben offenen Flammen können dies mechanische oder elektrische Funken sein, heiße Oberflächen, auch elektrostatische Entladungen oder elektromagnetische Felder, in seltenen Fällen auch chemische Reaktionen.

Der Brand-Tetraeder

Die DIN EN ISO 19353 verwendet den aus dem Feuerwehrwesen stammenden Begriff Brand-Tetraeder. Mit dem Tetraeder – eine geometrische Figur mit vier Seitenflächen – kommt als viertes Kriterium hinzu, dass die ersten drei Faktoren räumlich und zeitlich so zusammentreffen, dass eine selbsterhaltende chemische Kettenreaktion entsteht.

Die Norm beschreibt das Vorgehen beim Ermitteln eines Brandrisikos entsprechend dem in der ISO 12100 dargelegten Verfahren. Auf Basis der Grenzen der Maschine und der identifizierten Brandgefährdungen ist das Brandrisiko einzuschätzen. Je nach dem Ergebnis der Risikobewertung müssen Maßnahmen zur Risikominderung getroffen werden. Die DIN EN ISO 19353 bringt dazu einige Beispiele, teils informativ, teils konkreter,

  • für Maschinen und deren typische brandbedingte Gefährdungen,
  • für das Vorgehen beim Auswählen und Einstufen einer Brandmelde- und Löschanlage,
  • für das konstruktive Gestalten einer in die Maschine integrierten Feuerlöschanlage und
  • für die Risikobeurteilung und Risikominderung.

Alle getroffenen Maßnahmen zum konstruktiven Brandschutz sollten – auch dies fordert die Norm – verständlich dokumentiert werden. Für den Anwender und Maschinenbediener relevante Informationen müssen in die Betriebsanleitung einfließen.

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