Grundsätze der Risikobeurteilung von Maschinen

Laut EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG steht jedes herstellende Unternehmen in der Pflicht, ausschließlich sichere Maschinen zu konstruieren. Der Weg zum Ziel „sichere Maschine“ führt über die Risikobeurteilung. Diese umfasst das Abschätzen möglicher Gefahren, das Treffen von geeigneten Gegenmaßnahmen und das Warnen vor Restrisiken. Verfahren und Methoden zur Risikobeurteilung können sehr komplex und aufwändig werden, spezielle Programme erleichtern dem Konstrukteur die Arbeit.

Gesetzliche Grundlagen der Risikobeurteilung

Die Risikobeurteilung wird in der europäischen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG gefordert, und zwar für alle in Europa in Verkehr gebrachten Maschinen. Die allgemeinen Grundsätze in Anhang 1 der Maschinenrichtlinie beginnen mit den Worten „Der Hersteller einer Maschine (…) hat dafür zu sorgen, dass eine Risikobeurteilung vorgenommen wird, um die für die Maschine geltenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen zu ermitteln. Die Maschine muss dann unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Risikobeurteilung konstruiert und gebaut werden.“

In Deutschland wurde die Maschinenrichtlinie durch die Neunte Vorordnung zum Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) – 9. ProdSV in nationales Recht umgesetzt. Diese sogenannte Maschinenverordnung fordert zwar im Wortlaut keine Risikobeurteilung, sondern ein Konformitätsbewertungsverfahren. Das Erkennen und Bewerten von Risiken ist jedoch zentrales Element und Basis jeder Konformitätsbewertung und Grundlage der CE-Kennzeichnung. Das neue Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) von 2011 hebt die Grundsätze der Risikobewertung für die Tätigkeit der Marktüberwachungsbehörden hervor.

Vorgaben für die Durchführung einer Risikobeurteilung liefert die DIN EN ISO 12100 „Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze Risikobeurteilung und Risikominderung (ISO 12100:2010). Die DIN EN ISO 12100 gehört zu den harmonisierten europäischen Normen. Die aktuelle Fassung von 2010 umfasst auch die Inhalte der früheren und inzwischen zurückgezogenen DIN EN ISO 14121.

Hinweis: Risikobeurteilungen sind nicht nur für Maschinen vorgeschrieben. Auch für andere Produkte gibt es spezifische Vorgaben zum Abschätzen und Bewerten von Risiken. Für Pflanzenschutzmittel ist beispielsweise der Umfang der toxikologischen Untersuchungen vom Gesetzgeber festgelegt.

Ziel einer Risikobeurteilung ist,

  • sämtliche von einer Maschine möglicherweise ausgehenden Gefährdungen zu identifizieren,
  • Risiken zu weit als möglich zu vermindern,
  • geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen und
  • die Benutzer einer Maschine vor Restrisiken zu warnen.

Zehn Grundsätze der Risikobeurteilung von Maschinen

  1. Eine Risikobeurteilung ist keine freiwillige Leistung des Unternehmens, sondern gesetzlich vorgeschrieben (s. o.).
  2. Eine Risikobeurteilung erfolgt nicht erst, wenn die Maschine bereits montiert wird oder probeläuft, sondern sie beginnt frühzeitig in der Planung und Entwicklung. Die Risikobeurteilung startet mit den ersten Konstruktionsskizzen und dem Vorliegen des Pflichtenheftes.
  3. Risikobeurteilung ist ein Prozess, kein isolierter Einmal-Vorgang, der abgehakt wird. Die Risikobeurteilung begleitet den Konstruktionsvorgang.
  4. Die Risikobeurteilung berücksichtigt sämtliche Lebensphasen einer Maschine. Sie umfasst alle Gefährdungen im Produktlebenszyklus, vom Transport über die Montage / Installation über die Instandhaltung und Wartung bis zur Demontage und Entsorgung.
  5. Verantwortlich für die Risikobeurteilung ist die Geschäftsführung. Sie muss sicherstellen, dass Personal und Ressourcen in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen, um eine Risikobeurteilung angemessen und sorgfältig durchführen zu können.
  6. Die Risikobeurteilung ist zu dokumentieren. Form und Gestaltung der Dokumentation sind nicht im Detail vorgeschrieben.
  7. Die Dokumentation der Risikobeurteilung ist ein „lebendes“ Dokument. Die Dokumentation ist insofern nie endgültig abgeschlossen, als sie bei jeder Nachrüstung oder jedem Umbau einer Maschine erneut angepasst werden muss.
  8. Die Risikobeurteilung ist kein Stück Papier, sondern ein anspruchsvoller Prozess. Daher ist die Risikobeurteilung normalerweise keine Aufgabe der Technischen Redakteure. Denn sie setzt ausreichend Fachwissen voraus, über das in aller Regel nur die Konstrukteure und Entwickler verfügen.
  9. Die Risikobeurteilung ist Bestandteil der technischen Dokumentation. Sie ist Behörden auf Verlangen vorzulegen, gehört jedoch nicht zum Lieferumfang einer Maschine, da sie unternehmensspezifisches Knowhow enthalten kann.
  10. Risikobeurteilung ist keine Schikane der Europäischen Union oder des Bundeministeriums für Arbeit und Soziales, sondern sie ist eine Chance für den Hersteller zur Verbesserung seiner Produkte und zum Vorbeugen von Haftungsrisiken.

Risikobeurteilung als iterativer Prozess

Die Maschinenrichtlinie gibt die einzelnen Schritte bei der Bewertung und Minderung von Risiken in Anhang I vor (s. Abbildung). Die Grafik macht deutlich, dass in den ersten Schritten eine Risikoanalyse vorgenommen wird, auf welche dann die Beurteilung des Risikos folgt. Ergibt sich in dieser Risikobewertung, dass ein Risiko nicht akzeptabel ist, also nicht in ausreichendem Maße verringert wurde, so ist eine Risikominderung anzuschließen. Die Risikobeurteilung ist damit ein iterativer Prozess. Iterativ bedeutet, dass das Vorgehen wiederholt wird und man sich der endgültigen Lösung Schritt für Schritt nähert.

Grundlegende Schritte bei der Risikobeurteilung von Maschinen
Schritte bei der Risikobeurteilung von Maschinen

Schritte bei der Risikobeurteilung von Maschinen


Hinweis: Die Risikobeurteilung dient nicht dazu, sämtliche Sicherheitsrisiken über die Betriebsanleitung zu „lösen“. Die Betriebsanleitung ist nicht dazu gedacht, über das Auflisten von Sicherheitsmängeln den Hersteller zu entlasten. Die DIN EN ISO 12100 „Sicherheit von Maschinen“ gibt folgende Reihenfolge vor, um Risiken zu minimieren:

  1. inhärente technische Konstruktion
  2. technische Schutzmaßnahmen
  3. Benutzerinformation

Die Information des Benutzers über Warnhinweise in der Betriebsanleitung ist demnach das Mittel letzter Wahl. Nur wenige und technisch nicht vermeidbare Restrisiken landen bei einer sauber konstruierten Maschine in der Betriebsanleitung.


Das rechtskonforme Durchführen einer Risikobeurteilung erleichtert Ihnen die Software WEKA Manager CE. Ihr Vorteil: Sie müssen für Ihre Risikobeurteilungen keine eigene Methodik entwickeln, denn der Ablauf ist vom Programm systematisch festgelegt. Die Software nimmt dem Anwender insbesondere die Fleißarbeit ab, alle in Frage kommenden Sachnormen zu recherchieren. Wiederverwendbare Textbausteine erleichtern das Erstellen der Nachweisdokumentation.

Die Software WEKA Manager CE geht in folgenden Schritten vor:

  1. Gefährdungen identifizieren
  2. Gefährdungsursprung erkennen
  3. Gefährdungsort identifizieren
  4. Lebensphase identifizieren
  5. Gefährdung beschreiben
  6. Risiko einschätzen
  7. Schutzziele definieren, Schutzmaßnahmen festlegen und Restrisiken definieren

Ein detailliertes Beispiel einer methodischen, softwaregestützten Risikobeurteilung steht auf www.maschinenrichtlinie-2006-42-eg.de/ kostenfrei zum Download bereit.

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