Risikobeurteilung und Nachweisdokumentation am Beispiel Photovoltaikanlage

Als Solartracker werden Photovoltaikanlagen bezeichnet, bei denen eine oder zwei Achsen beweglich sind. Sie haben den großen Vorteil, dass sie im Tagesverlauf dem Sonnenstand folgen können. Damit haben diese sogenannten nachgeführten Photovoltaikanlagen eine größere Energieausbeute. Gleichzeitig müssen Fundament, Blitzschutz und die Anlagentechnik hohen Anforderungen an die Sicherheit von Monteuren, Betreiber und sonstigen Personen genügen. Für den Konstrukteur bedeutet das: Risikobeurteilung plus Nachweisdokumentation.

Der nachfolgende Beitrag stellt eines der jüngsten Updates des Werks „Risikobeurteilungen für Maschinen“ vor. Dieses stammt von November 2014 und trägt den Titel „Risikobeurteilung – wie Sie Ihrer Verantwortung gerecht werden“. Autor ist Jörg Ertelt, regelmäßiger Referent der WEKA-Akademie und Experte für technische und elektronische Dokumentation.

Zentrales Element des Update-Artikels ist die Nachweisdokumentation zur Risikobeurteilung am Praxisbeispiel einer nachgeführten Photovoltaikanlage (n-PVA). Diese beispielhafte Risikobeurteilung wurde auf Basis der Norm EN ISO 12100:2010 durchgeführt. Anhand des Inhaltsverzeichnisses wird bereits die Struktur des Vorgehens deutlich (s. Abbildung).

Aufbau und Gliederung des Praxisbeispiels Nachweisdokumentation

Risikobeurteilung Nachweisdokumentation Photovoltaik-Anlage

Bildquelle: Praxisbeispiel Photovoltaikanlage (n-PVA) – Nachweisdokumentation im Werk „Risikobeurteilungen für Maschinen“, Autor: Jörg Ertelt

Grenzen, Betriebsarten und Nutzergruppen

Der Autor stellt in seinem Fachbeitrag zunächst die

  • räumlichen Grenzen, z. B. Platzbedarf von Wartungspersonal, die
  • zeitlichen Grenzen, z. B. Einschaltdauer und Reinigungsintervalle, sowie die
  • sonstigen Grenzen, z. B. den Temperaturbereich oder den erforderlichen Reinigungsgrad,

einer nachgeführten Photovoltaikanlage nach der Norm EN ISO 12100, 5.3 dar. In einer weiteren Tabelle geht der Autor auf die Gefährdungssituation der Anlage nach Tabelle B.3 der EN ISO 12100 ein. Dabei sind alle Phasen im Lebenszyklus der Anlage zu beachten, von der Fertigung beim Hersteller über den Transport, die Installation und Inbetriebnahme bis zur Demontage und Entsorgung.

Ein weiterer wichtiger Faktor in der Risikobeurteilung ist die Verwendungsgrenze. Zu unterscheiden ist zwischen der bestimmungsgemäßen Verwendung und einem vorhersehbaren Fehlgebrauch. Die bestimmungsgemäße Verwendung dient einem bestimmten Zweck. Dabei werden die folgenden Aspekte erfasst:

  • die Nutzungsart, z. B: im Freien oder unter Dach,
  • die Betriebsarten, z. B. Automatikbetrieb oder Handbetrieb, Einrichtbetrieb oder Wartungsbetrieb,
  • der Einsatzbereich in Industrie, Gewerbe oder im privaten Bereich, sowie
  • die Nutzergruppen wie Facharbeiter, Bediener, Besucher, Azubis u. a.

Ein vorhersehbarer Fehlgebrauch könnte z. B. sein:

  • ein Betrieb der n-PVA außerhalb der der zugelassenen Umgebungsgrenzen
  • das Versäumen von Wartungsfristen
  • die Bedienung durch nicht geschulte und in die Bedienung eingewiesene Personen.

Identifizieren von Gefährdungen und Einschätzen von Risiken

Die möglichen Risiken und Gefährdungen werden der Übersicht halber in verschiedene Gefährdungsgruppen eingeteilt:

  • mechanische Gefährdungen wie Quetschen, Stoßen oder Schnittverletzungen durch scharfen Kanten (betrifft eher die Monteure)
  • elektrische Gefährdungen, insbesondere Stromschläge durch spannungsführende Teile der elektrischen Ausrüstung (betrifft auch den Betreiber oder Hausbewohner)
  • thermische Gefährdungen, z. B. durch starke Aufheizungen bei hoher Sonneneinstrahlung (betrifft Monteure und Betreiber)
  • Gefährdungen im Zusammenhang mit der Einsatzumgebung, z. B. durch einen Blitzeinschlag, (betrifft alle Personen in der unmittelbaren Umgebung)
Beispiel: Gefährdungsgruppe „Mechanische Gefährdungen“
Risikobeurteilung: Aufbau und Gliederung

Bildquelle: Praxisbeispiel Photovoltaikanlage (n-PVA) – Nachweisdokumentation im Werk „Risikobeurteilungen für Maschinen“, Autor: Jörg Ertelt

 

Der Autor beschreibt für jede Gruppe jeweils die Gefährdungen, schätzt das Risiko in Stufen von 1 bis 6 nach ISO/TR 14121-2 ein, nennt Schutzziele und Schutzmaßnahmen und stellt ggf. das verbleibende Restrisiko dar. Neben den vorgestellten vier Gefährdungsgruppen geht der Beitrag auch auf zusätzliche häufige Gefährdungen ein, etwa durch Ausfall des Steuerkreises oder den Verlust der Standfestigkeit bei Wind.

Ebenfalls vom gleichen Autor verfügbar ist ein Praxisbeispiel für die Nachweisdokumentation der Risikobeurteilung bei einer Windenergieanlage (WEA).

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