Die Ukraine-Krise macht es einmal mehr deutlich, wie sehr Europa und Deutschland von Energie- und Rohstoffimporten abhängig sind. Energie- und Materialeffizienz lauten die Zauberworte. Die gute Nachricht: Bei mehr als der Hälfte der deutschen Maschinenbauer ist das Thema Ressourceneffizienz in der Unternehmensführung angesiedelt. Jedoch sorgt nur rund jedes zehnte Unternehmen für eine ausreichende personelle Ausstattung für Ressourceneffizienz. So das Fazit einer aktuellen Studie des VDMA.

Europa ist vergleichsweise arm an Primärrohstoffen. Die Industrie in den europäischen Staaten und insbesondere in Deutschland ist daher auf den Import von Rohstoffen angewiesen. In Zeiten knapper werdender Rohstoffe erhält die sogenannte Ressourceneffizienz eine immer stärkere Bedeutung. Ressourcen meint hier nicht nur Energie, sondern auch Wasser, Fläche (Boden) und Ausgangsmaterialien wie Erze und andere Bodenschätze. Mit verbesserter Materialeffizienz sollen Unternehmen nicht nur einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz und Erhalt der natürlichen Ressourcen leisten, sondern können ihre Kosten deutlich reduzieren. Dies betrifft auch die Effizienz von Maschinen und Anlagen und ist damit ein immer wichtiger werdendes Thema für Entwickler und Konstrukteure.

„Ressourceneffizienz im deutschen Maschinen- und Anlagenbau“ lautet der Titel einer brancheninternen Studie, welche der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Ende Mai vorstellte. Die Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus sind danach auf dreifache Weise betroffen:

  1. Sie nutzen Ressourcen in einem Land, das von Rohstoffimporten abhängig ist.
  2. Sie beliefern die Industrie mit ressourceneffizienten Produktionstechnologien.
  3. Sie entwickeln Recyclingtechnik und bringen diese auf den Markt.

Aufgabe der Studie war es, die „gefühlte Ressourceneffizienz“ und das tatsächliche Ressourceneffizienzpotenzial in der Investitionsgüterindustrie durch eine Befragung von Unternehmen konkreter zu erfassen. In drei Fallstudien (ein Unternehmen der Veredelung von Metalloberflächen, ein Hersteller von Verpackungsmaschinen, ein Unternehmen der Kaltmassivumformung) wurde die Thematik tiefer analysiert.

Einige zentrale Aussagen der Studie:

  • Der Verbrauch an natürlichen Ressourcen steigt in Deutschland seit Jahren stetig an.
  • Im verarbeitenden Gewerbe macht der Ressourcenverbrauch im Durchschnitt rund 45 % des Produktionswertes aus (gegenüber 18 % für Lohnkosten!).
  • Die Bedeutung von Ressourceneffizienz steht außer Frage. In mehr als 55 % der befragten Unternehmen ist Ressourceneffizienz ein relevantes strategisches Thema.
  • Nur rund 10 Prozent der Unternehmen stellen genügende personelle Ressourcen bereit, nur jedes vierte Unternehmen genügend finanzielle Mittel.
  • Große Lücken zeigen sich bei der Dokumentation und Planung von Ressourceneffizienz.
  • Trotz erkennbarer Rentabilität werden innovative Projekte zur Verbesserung der Ressourceneffizienz oft zu zögerlich finanziert und Einsparpotenziale verschenkt.
Auch bei hochtechnisiertem Abbau sind die Vorräte vieler Rohstoffe endlich
Ressourceneffizienz

Bildquelle: Thinkstock

Um ihre Ressourceneffizienz zu verbessern, setzen Unternehmen an ehesten technische Maßnahmen um, gefolgt von betriebswirtschaftlichen vor organisatorischen Maßnahmen.

Eine Verbesserung der Ressourceneffizienz erreichen Unternehmen z. B. durch

  • Verbesserungen von Produkten, z.B. durch vermehrten Einsatz von Technologien zur Energierückgewinnung.
  • Technologiewechsel, z. B. indem ungesteuerte Anlagen durch neue innovative Produkte ausgetauscht werden.
  • Wegfall von energie- oder ressourcenintensiven Schritten.
  • bewusster Einkauf von Produktionsanlagen mit Nachhaltigkeit als Kaufkriterium von wachsender Bedeutung.

Zunehmende Nachfrage des Marktes nach ressourceneffizienten Produkten ist eine große Chance für die in der Umwelttechnologie traditionell führenden deutschen Unternehmen. Das Entwickeln von energie- und materialsparenden Produktionsverfahren, Maschinen und Technologien erhält auch in der Konstruktion einen immer größeren Stellenwert. Parallel kommen immer mehr Vorgaben vonseiten des Gesetzgebers, insbesondere im Zuge der Umsetzung der europäischen Bestrebungen zum Ökodesign.

Rechtliche Basis der Effizienz-Bestrebungen ist die Richtlinie 2009/125 der Europäischen Gemeinschaft. Sie ist als Ökodesign-Richtlinie bekannt und rechtsverbindlich für energiebetriebene Waren und Produkte, die in der EU in Verkehr gebracht werden. Nach und nach wurden für immer mehr Produktgruppen Mindestanforderungen erlassen. Die folgende Tabelle zeigt den aktuellen Stand der Produktgruppen, für welche bereits Verordnungen im Rahmen der Ökodesign-RL in Kraft getreten sind.

Von Verordnungen gemäß der Ökodesign-Richtlinie betroffene Produktgruppen
Verordnung Produktgruppe
1275/2008/EG Bereitschafts- und Aus-Zustand (standby)
107/2009/EG Einfache Set-Top-Boxen (Fernsehempfänger)
244/2009/EG Haushaltslampen (Glühlampen, Energiesparlampen)
245/2009/EG Entladungslampen (Straßen- und Bürobeleuchtung)
278/2009/EG externe Netzteile
640/2009/EG Elektromotoren
641/2009/EG Heizungspumpen
642/2009/EG Fernsehgeräte
643/2009/EG Kühl- und Gefriergeräte
1015/2010/EG Haushaltswaschmaschinen
1016/2010/EG Haushaltsgeschirrspülmaschinen
327/2011/EU Ventilatoren

Quelle der Angaben: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Die Ökodesign-Richtlinie bzw. ihre Vorläufer-Richtlinie wurden in nationales Recht umgesetzt durch das Energiebetriebene-Produkte-Gesetz (EBPG) von 2008 sowie das Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz (EVPG) von 2011. Ziel dieser Regelungen ist, den Verbrauch von Energie und Rohstoffen bei der Herstellung, Betrieb und Entsorgung von Maschinen und Elektrogeräten zu senken und eine umweltgerechte Gestaltung (= Ökodesign) zu fördern. Hersteller wurden verpflichtet, ihre Käufer über Standby- und Betriebsverbrauch zu informieren. Seitdem setzen sich die verbrauchsbezogenen Energielabel auf immer mehr Produktgruppen durch. Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Kapitel „Erläuterungen zur neuen Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG“ im Werk „CE-Kennzeichnung nach Maschinenrichtlinie.

Wirtschaftspolitisch sind die von der EU vorgegebenen Regularien nicht unumstritten. So warnt der VDMA vor allzu starren Regelungen im Detail, mit denen die EU-Kommission über das Ziel hinaus schieße. „Detaillierte Vorgaben zur Art der verwendeten Materialien sowie des Anteils von recycelten Stoffen in einem Produkt“ seien „ebenso kontraproduktiv und innovationsfeindlich.“ Europa solle sich „ähnlich wie in der Maschinenrichtlinie und anderen Sicherheitsrichtlinien auf die Festlegung allgemeiner Anforderungen“ beschränken.

Mehr über Ökodesign-Anforderungen an Motoren, Messungen und Prüfverfahren sowie die notwendigen Produktinformationen lesen Sie in der Verordnung 640/2009/EG. Diese europäische Verordnung befasst sich mit der umweltgerechten Gestaltung von Elektromotoren in Hinblick auf das Inverkehrbringen und die Inbetriebnahme. Den Text und die Anhänge der Verordnung finden Sie Sie in der Rechtsdatenbank des WEKA Business Portals. Ihre Inhalte werden in den Modulen „CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie“ und „CE-Kennzeichnung nach Maschinenrichtlinie“ verwendet. Im gleichen Werk liefert ein Kapitel 2,7. Erläuterungen zur Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG“.

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