IEC 61508: Sicherheitsgrundnorm für funktionale Sicherheit

Die IEC 61508, hierzulande auch als DIN EN 61508 bekannt, ist eine grundlegende Sicherheitsnorm bzw. -normenreihe. Sie befasst sich branchenübergreifend mit der Klassifizierung von Risiken und deren Wahrscheinlichkeiten sowie den umfangreichen Anforderungen, mit denen eine funktionale Sicherheit erreicht werden soll. Der folgende Beitrag stellt die Normenreihe mit ihren 7 Teilen vor.

Die Normenreihe IEC 61508 stellt eine Sicherheitsgrundnorm für funktionale Sicherheit aus mehreren Teilen dar. Sie ist 1998 erschienen, die letzte Version stammt aus dem Jahr 2010. Ihr offizieller Titel lautet „Functional safety of electrical/electronic/programmable electronic safety-related systems“. Die IEC 61508

  • besteht als europäische Fassung in der Normenreihe CENELEC EN 61508 des Europäischen Komitees für Elektrotechnische Normung.
  • wurde als DIN EN 61508 ins deutsche Normenwerk übernommen mit dem Titel „Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer/elektronischer/programmierbarer elektronischer Systeme“.
  • hat damit den Status einer deutschen Norm und gleichzeitig einer VDE-Bestimmung (VDE 0803).
  • ist in der Schweiz als SN EN 61508 und in Österreich als ÖVE/ÖNORM EN 61508 bekannt.
  • umfasst in der gedruckten Fassung ca. 1250 Seiten.

Die Norm befasst sich mit den Grundsätzen für die Auslegung sicherheitsgerichteter Steuerungen und gilt als branchenübergreifende Richtlinie für alle sicherheitsgerichteten Systeme und als Stand der Technik. Sie fordert eine Risikominimierung durch qualitative (Schadensschwere) und quantitative (Schadenshäufigkeit) Bewertungen eines potenziellen Schadensereignisses: Dieser Prozess wird oft mit Hilfe von Risikographen dargestellt.

Durch ein Vorgehen nach IEC 62509 kann ein Hersteller laut VDE nachweisen,

  • dass er eine anerkannte Methode zur Risikobewertung und zur sicheren Produktentwicklung und -herstellung nutzt.
  • dass seine innerbetrieblichen Abläufe geeignet sind, Produkte herzustellen, von deren Funktion keine unvertretbaren Schäden an Menschen und Umwelt entstehen.

Damit hat diese Norm für die Sicherheit elektrischer Systeme einen ähnlichen Status wie die ISO 26262 für die funktionale Sicherheit elektrischer Komponenten in der Automobilbranche. Kein Wunder, dass auch in aktuellen Normungs-Roadmaps auf die fast 20 Jahre alte Norm Bezug genommen wird.

Was bedeutet „funktionale Sicherheit“?

Zentraler Begriff der Normenreihe 61508 ist die funktionale Sicherheit. Die IEC (International Elektrotechnical Commission) definiert functional safety als

  • „the part of the overall safety that depends on a system or equipment operating correctly in response to its inputs“ sowie
  • „the detection of a potentially dangerous condition resulting in the activation of a protective or corrective device or mechanism to prevent hazardous events arising or providing mitigation to reduce the consequence of the hazardous event.“

Der VDE verwendet eine Definition, die dem ersten Teil der IEC ähnelt: „Wenn sicherheitsgerichtete Steuerungen ihre Sicherheitsfunktionen zuverlässig erbringen, sprechen wir von funktionaler Sicherheit.“

Die IEC macht mit dem zweiten Teil ihrer Definition deutlich, dass funktionale Sicherheit stets auf aktiven Systemen basiert. Sicherheitsmaßnahmen, die auf passiven Systemen beruhen, fallen nicht unter die funktionale Sicherheit. Damit ist z.B. im Brandschutz ein Rauchmelder, der eine Löschanlage auslöst, Teil der funktionalen Sicherheit, während eine Brandschutztür als passives System nicht der funktionalen Sicherheit zugeordnet wird.

Die 7 Teile der Normenreihe 61508

Die Norm 61508 besteht aus mehreren Teilen, daher spricht man oft auch von einer Normenreihe. Die folgende Abbildung zeigt die Stellung der einzelnen Teile im Workflow. Bei der Benennung werden die Nummern der Einzelnormen der DIN EN 61508 (VDE 0803) wie üblich per Bindestrich und Nummer an die Normenbezifferung angehängt. Teil 1 heißt demnach DIN EN 61508-1 bzw. VDE 0803-1 usw.

Der Gesamtrahmen der Normenreihe EN 61508

Gesamtrahmen der Normenreihe EN 61508

Quelle: Normensteckbrief aus „CE-Kennzeichnung nach Maschinenrichtlinie“, WEKA-Business-Portal

Im Werk „Elektromagnetische Verträglichkeit“ finden Sie einen Überblick über die Normenreihe 61508, im Produkt „CE-Kennzeichnung nach Maschinenrichtlinie“ einen ausführlichen Normensteckbrief. Die folgende Abbildung stellt die Teile der Normenreihe 61508 vor.

Inhalte der Normenreihe IEC 61508-x

Inhalte der Normenreihe IEC 61508-x

Quelle: Normensteckbrief aus „CE-Kennzeichnung nach Maschinenrichtlinie“, WEKA-Business-Portal

Die Benennung in den Abbildungen weicht etwas von den offiziellen Untertiteln der Normenreihe ab, hier nachstehend noch einmal in der Übersicht:

  • Teil 1: Allgemeine Anforderungen
  • Teil 2: Anforderungen an sicherheitsbezogene elektrische/elektronische/programmierbare elektronische Systeme
  • Teil 3: Anforderungen an Software
  • Teil 4: Begriffe und Abkürzungen
  • Teil 5: Beispiele zur Ermittlung der Stufe der Sicherheitsintegrität (safety integrity level)
  • Teil 6 Anwendungsrichtlinie für EN 61508-2 und EN 61508-3 (IEC 61508-6:2010)
  • Teil 7: Überblick über Verfahren und Maßnahmen

Hinweis: Zu diesen 7 Teilen kommt ein Beiblatt, das bisweilen auch als Teil 0 bezeichnet wird. Dieses Dokument enthält jedoch nur eine Art Einführung. Diese ist durchaus lesenswert und soll einem Anwender deutlich machen, inwiefern sein Produkt oder seine Dienstleistung in den Anwendungsbereich der Norm fällt. Eine Vorschau können Sie auf den Webseiten des IEC einsehen. Dies gilt übrigens auch für die Teile 1 bis 7 der Norm, zumindest für die englisch- und französischsprachigen Versionen.

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