Uneinheitliche Sicherheitsanforderungen für Öffnungen in Schutzeinrichtungen

Vergleichbare Gefährdungen bedürfen einheitlicher Sicherheitsanforderungen. Bei Maschinen zur Verpackung und zum Transport industriell gefertigter Waren wie Palettierer und Stetigförderer ist das nicht der Fall. In verschiedenen Normen sind die Bestimmungen für Öffnungen in Schutzeinrichtungen unterschiedlich geregelt, was in der betrieblichen Praxis häufig für Verunsicherung sorgt. Dies moniert die Kommission Arbeitsschutz und Normung in ihrem aktuellen KANBrief.

Die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) hat die Aufgabe, die Normungsarbeit kritisch zu beobachten, insbesondere hinsichtlich aller Aspekte, die den Arbeits- und Gesundheitsschutz berühren. In dem Gremium arbeiten Vertreter der Arbeitgeber, der Gewerkschaften, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Arbeitsschutzbehörden mit dem Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zusammen.

Die KAN informiert quartalsweise in ihrem KANBrief kostenlos über wichtige Entwicklungen in der Normungsarbeit, die den Bereich Arbeitsschutz betreffen. Das Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe des KANBriefs lautet „Neue Technologien“. In einem der Beiträge geht es um die Normungssituation für Öffnungen in Schutzeinrichtungen.

Schutzeinrichtungen als zentrales Element der Maschinensicherheit

Schutzeinrichtungen verhindern, dass der Bediener oder Beschicker einer Maschine von sich bewegenden Teilen der Maschine erfasst wird und verletzt wird. Sie verhindern je nach Maschine oder Anlage, dass an oder in der Nähe einer Maschine beschäftige Personen z.B. sich die Hand quetschen, eine heiße Oberfläche berühren oder in einen Strahlengang schauen. Diese Schutzeinrichtungen werden unterteilt nach der Art und Weise, wie sie technisch funktionieren in z.B.

  • trennende Schutzeinrichtungen wie Verkleidungen, Schutztüren, Gitter oder Schutzhauben, die mit Verriegelungs- und Zuhaltungssystemen ausgestattet sind.
  • nicht-trennende Schutzeinrichtungen wie etwa eine Zweihandsteuerung.
  • berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen wie Lichtschranken oder andere sensorgesteuerte Systeme, die mit Positions- und Näherungsschaltern arbeiten.

Der KAN-Beitrag beschäftigt sich mit Maschinen für Verpackung und Transport wie Palettierer, Depalettierer, Haubenüberzieher und Stetigförderer. In einigen Branchen wie etwa der Nahrungsmittelindustrie transportieren diese Maschinen oft große Kartons und Paletten. Damit müssen ihre Öffnungen so groß sein, dass es nicht möglich ist, den Zugang und damit die Gefahr für Personen durch eine entsprechende Konstruktion sicher auszuschließen. Die Schutzeinrichtungen müssen zwangsläufig große Öffnungen haben.

Auch maschinelles Fördern und Verpacken bedarf oft der Zuarbeit und Kontrolle durch Personen
Arbeiterin beim Verpacken

Bildquelle: Thinkstock

Vergleichbare Gefährdungen unterschiedlich geregelt

Zentraler Kritikpunkt ist, dass die Vorgaben für diese Öffnungen in unterschiedlichen C-Normen geregelt sind, obwohl es sich um vergleichbare Gefährdungen handelt. Dies führt in der Praxis zu unterschiedlichen Gefährdungsniveaus. Für Palettieranlagen gilt z. B: die EN 415-10 „Sicherheit von Verpackungsmaschinen – Allgemeine Anforderungen“. Diese gibt konkrete Anforderungen an die Gestaltung der Öffnungen vor, etwa zum Abstand zwischen der feststehenden trennenden Schutzeinrichtung und der Säule für die Lichtschranke. In einer potenziell kritischen Situation, wenn z. B. die Zeit für die Durchfahrt der Ladung durch die Sicherheitseinrichtung deutlich überschritten wird, werden sämtliche gefährlichen Bewegungen angehalten.

Für Stetigförderer gilt die EN 619 „Stetigförderer und Systeme – Sicherheits- und EMV-Anforderungen an mechanische Fördereinrichtungen für Stückgut“. Auch hier geht es um die Gefährdung „Quetschen und Scheren“ zwischen der Ladung und den feststehenden Teilen der Schutzeinrichtungen an der Einschleusstelle. Die EN 619 sieht jedoch im Gegensatz zur EN 415-10 keine zwangsläufige Abschaltung vor. Die Schutzmaßnahmen begründen sich hier auf die Gestaltung des Förderers wie Abstand und Länge der Rollen usw. In Betrieben der Nahrungsmittelbranche führt das Nebeneinander der unterschiedlichen Normenanforderungen für Verunsicherung und Verwirrung. Auch die Bestimmungen zu Hubwerken werden als Beispiel genannt, dass unterschiedliche Anforderungen zu erheblichen Diskussionen führen.

Technische, willensunabhängige Maßnahmen haben Vorrang

Die KAN beruft sich auf den in der Betriebssicherheitsverordnung beschriebenen „Stand der Technik“. Zum Bestimmen des Stands der Technik seien „vergleichbare Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsweisen heranzuziehen“, die ihre Bewährungsprobe bereits in der betrieblichen Praxis bestanden haben. Die KAN plädiert daher,

  • für das Festlegen einheitlicher Sicherheitsanforderungen für vergleichbare Gefährdungen.
  • für Schutzmaßnahmen, die zwischen der zu transportierenden Ladung und einem menschlichen Körper oder Körperteil unterscheiden.
  • für den Vorrang von technischen, willensunabhängige Maßnahmen gemäß der Schutzzielhierarchie der Maschinenrichtlinie.

Hinweis: Jeder kann sich an die KAN wenden, der sich über Richtlinien, bestehende, geplante oder aktuell in Arbeit befindliche Normen informieren will. Auch für Anregungen zur Normungsarbeit ist die KAN der richtige Ansprechpartner. Wenden Sie sich an die KAN-Geschäftsstelle, wenn Ihrer Ansicht nach

  • eine Norm fehlt,
  • eine Norm im Sinne des Arbeitsschutzes unzureichend ist oder
  • wenn Sie aus Sicht des Arbeitsschutzes Gründe dafür sehen, dass eine Norm verhindert werden sollte.

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