Gefährliche Produkte 2015: Deutschland holt im Negativ-Ranking auf

China vor Deutschland und den USA, doch Deutschland holt auf. So könnte man die jüngste Auswertung zu mangelhaften Produkten auf dem deutschen Markt und Verstößen gegen das Produktsicherheitsrecht zusammenfassen. Deutschlands oberste Hüterin der Produktsicherheit, die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, hat Ende November ihren neuesten Jahresbericht vorgelegt. Dieser wertet u. a. Produktwarnungen und nationale Pressemeldungen aus, für Produktsicherheitsverantwortliche daher eine interessante Lektüre.

Ein Stromgenerator mit „erheblichen Mängeln“, brandgefährliche Steckdosenleisten, Stromschlaggefahr bei einem Schlammsauger oder tödliche elektrische Schläge an einer Geflügelrupfmaschine – das Spektrum der im letzten Jahr beanstandeten technischen Produkte, Geräte und Maschinen ist groß. In den aktuellen Bericht „Gefährliche Produkte 2015 veröffentlicht – Informationsdienst der BAuA zur Produktsicherheit“ flossen Meldungen aus unterschiedlichen Informationsquellen ein, u. a.:

  • nationale Meldungen des europäischen Schnellwarnsystems RAPEX
  • Verbrauchermeldungen an das internetgestützte Informations- und Kommunikationssystem für die paneuropäischen Marktüberwachung ICSMS
  • Produktrückrufe und Produktwarnungen
  • mehr als 1.000 Pressemeldungen aus Deutschland
  • Meldungen zu tödlichen Arbeitsunfällen in Deutschland

Mit dieser breiten Zusammensetzung kommt dem BAuA-Bericht eine Alleinstellung in der Dokumentation des aktuellen Stands zur Produktsicherheit in Deutschland zu.

Produktrückrufe werden von der BAuA erfasst und veröffentlicht

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Download-Hinweis: Sie können den Bericht „Gefährliche Produkte 2015“ auf den Internetseiten der BAuA hier herunterladen.

Hier sitzen die meisten Produktsicherheits-Sünder

Nur noch 27 Prozent der von RAPEX erfassten mangelhaften Produkte kamen im letzten Jahr aus China. Dieser Anteil hatte in den Jahren zuvor noch mehr als 30 Prozent betragen. Hinter China folgt direkt Deutschland mit 23 Prozent der gemeldeten gefährlichen Produkte, danach kommen die USA mit 14 Prozent. Alle andern Länder liegen jeweils unterhalb eines Anteils von 4 Prozent.

Die häufigsten Rechtsverstöße

Die Art der Rechtsverstöße lässt sich wie folgt den gesetzlichen Vorgaben zuordnen:

Persönliche Schutzausrüstungen und Maschinen waren laut den von der BAuA veröffentlichten Daten in 2014 weniger auffällig.

Ausführliche Erläuterungen zur Produktsicherheit und Marktüberwachung in Deutschland und darüber hinaus lesen Sie im Werk „Produktsicherheit in Europa“.

Die häufigsten Gefährdungsarten und Gefährdungsfolgen

Die BAuA hat bei den Produktrückrufen und Produktwarnungen auch die Gefährdungsarten und die möglichen Gefährdungsfolgen erfasst:

  • 43 Prozent der Meldungen von gefährlichen Produkten betrafen stoffliche Gefährdungen.
  • In 42 Prozent der Meldungen ging es um mechanische Gefährdungen.
  • In 10 Prozent der Fälle werden elektrische Gefährdungen genannt.

Alle anderen Gefährdungsarten wie thermische oder ergonomische Faktoren oder Gefährdungen durch Strahlung machten zusammen weniger als 5 Prozent aus.
Bei einer differenzierten Betrachtung einzelner Gefährdungsmerkmale stehen allergische Reaktionen und Festigkeitsmängel ganz oben. Die möglichen Folgen sind Atemnot sowie das Wegschleudern von Teilen.

Trend: Werden Produkte aus Deutschland gefährlicher?

Im Vergleich zu den Vorjahren ist bei steigenden Meldezahlen der prozentuale Anteil gefährlicher Produkte aus China insgesamt gesunken. Erschreckend wirkt jedoch auf den ersten Blick der Befund, dass gleichzeitig der Anteil der gefährlichen Produkte, die aus Deutschland stammen, um mehr als 8 Prozent zugenommen hat. Auf mögliche Ursachen geht der BAuA-Report nicht ein.

Zu beachten ist, dass es sich hier um Prozentangaben, also relative Größen in Bezug zueinander handelt. Daher sollte man mit einer schnellen Bewertung der Daten vorsichtig sein. Bedeuten die Zahlen, dass sich die Sicherheitsstandards für Produkte aus chinesischer Produktion den europäischen Standards angleichen? Oder sind die Zahlen des Berichts ein Zeichen dafür, dass es mit der Produktsicherheit in Deutschland bergab geht? Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

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