Von EN ISO 14121-1 zu EN ISO 12100 neu – die Praxis der Risikobeurteilung

Die neue EN ISO 12100 zu kennen und anzuwenden, bringt Pluspunkte bei Kunden und Aufsichtsbehörden. Aber die Anwendung der neuesten Norm ist noch nicht die Garantie für eine richtige und sichere Risikobeurteilung.

EN ISO 12100-1 und -2 lösten 2003 die bis dahin geltenden EN 292-1 und -2 ab. Sie behandelten die Grundbegriffe und allgemeinen Gestaltungsleitsätze bei der Sicherheit von Maschinen und bildeten die neue normative Grundlage für die Risikobeurteilung. Im Jahr 2007 erschien mit EN ISO 14121-1 bereits die nächste Norm zur Risikobeurteilung. Die vorläufig letzte Norm in dieser Reihe ist die neue EN ISO 12100 von 2010. Sie fasst ihre drei Vorgänger, d.h. EN ISO 12100-1, EN ISO 12100-2 und EN ISO 14121-1, zusammen. Die „alten“ Normen gelten parallel zur neuen EN ISO 12100 noch bis 2013.
Außerdem erfindet EN ISO 12100:2010 die Risikobeurteilung nicht neu: Zielsetzung, Ablauf und Bearbeitungsschritte bleiben gleich. D.h. der Ablauf der Risikobeurteilung besteht nach wie vor aus folgenden Schritten:

  • Verwendungsgrenzen festlegen (EN ISO 12100, Abschnitt 5.3)
  • Gefährdungen identifizieren (Abschnitt 5.4)
  • Risiko einschätzen (Abschnitt 5.5)
  • Risiko bewerten (Abschnitt 5.6) und
  • erforderlichenfalls für eine Risikominderung sorgen (Abschnitt 6).

Die Unterschiede zwischen diesen Begriffen bzw. Schritten erläutert die Norm in Abschnitt 3, den gesamten Ablauf stellt sie in Bild 1 schematisch dar. Hier gibt es aber nichts wirklich Neues. Denn den hier abgebildeten Ablauf gab es schon in der alten EN ISO 12100-1 von 2003.

Änderungen finden sich eher im Detail. In Tabelle B.1 (entspricht Tabelle A.1 aus EN ISO 14121-1) sind einige Gefährdungen anders benannt. Wenn Sie in Ihrer Risikobeurteilung jetzt z.B. Gefährdungen durch Vibration (neu nach EN ISO 12100:2010) statt Schwingungsgefährdungen (EN ISO 14121-1) identifizieren, zeigen Sie, dass Sie die neue Norm kennen und mit ihr arbeiten. Die neue EN ISO 12100 bietet Ihnen also Gelegenheit, sich positiv abzuheben und Pluspunkte bei den Kunden zu sammeln, die die aktuelle Normung verfolgen. Denn es flößt Kunden und Aufsichtsbehörden nicht gerade Vertrauen ein, wenn Sie eine wichtige Normänderung verpassen.

Doch bei allen Änderungen, die die neue Norm mit sich bringen mag, ist es immer noch entscheidend, was inhaltlich in Ihrer Risikobeurteilung steht. Dafür geben die Normen, ob nun alt EN ISO 14121-1 & Co. oder neu EN ISO 12100 nur das Gerüst vor. Die Anwendung der aktuellsten Norm ist nur der erste Schritt. Sie führt nicht automatisch zu einer besseren Risikobeurteilung. Eine systematische, vollständige und professionelle Erarbeitung entscheidet letztlich darüber, welche Sicherheit die Risikobeurteilung Ihrem Produkt, aber auch Ihnen selbst verleiht.

Risikobeurteilungen professionell durchführen: Konkrete Praxisbeispiele, z.B. für eine Verpackungsmaschine, ein Flügelrührwerk oder einen elektrischen Antrieb, zeigen, wie richtige und rechtssichere Risikobeurteilungen nach der neuen EN ISO 12100 aussehen.

Alle relevanten Informationen zu Risikobeurteilung, Risikoanalyse und Risikobewertung finden Sie hier.

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