Neu: Anthropometrie-Leitfaden für Konstrukteure und Normung

Konstrukteure von Maschinen, technischen Geräten und anderen Arbeitsmitteln sollen u.a. hohe Anforderungen an Bedienbarkeit und Ergonomie Ihrer Produkte erfüllen. Doch die individuellen Körpermaße der Anwender und Bediener sind im Voraus selten bekannt und können sich deutlich unterscheiden. Ein neuer Leitfaden zur sicheren und ergonomischen Gestaltung von Arbeitsmitteln unterstützt Konstrukteure bei der Auswahl und Verwendung anthropometrischer Daten.

Die Vermessung des menschlichen Körpers und die Anwendung dieser Körpermaßdaten sind die zentralen Themen der Anthropometrie. Anthropometrische Daten bieten die Grundlage zur möglichst ergonomischen Gestaltung von allen Schnittstellen von Biologie zu Technik. Konstrukteure stehen vor der Frage, wie sie z.B. Maschinen, Fahrzeuge, Möbel, Werkzeuge usw. so gestalten, dass sie von möglichst vielen Menschen möglichst sicher und problemlos bedient werden können.

Anthropometrie und Ergonomie für Konstruktion und Normung

Dier ergonomischen Anforderungen an Maschinen wurden bei der Neufassung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG als neuer Punkt aufgenommen (Kapitel 1.1.6 des Anhangs I). Es wird z.B. gefordert, dass Belästigungen und Ermüdungen des eine Maschine bedienenden Personals zu minimieren sind. Schon bei der Planung einer Maschine sollen die ergonomischen Aspekte einfließen.

Außerdem ist Anthropometrie ein zentrales Thema für die Normung. Denn Vorgaben für viele gesundheits- und sicherheitsrelevante Aspekte wie Abständen zu gefährlichen Stellen, Bewegungsräumen, Greifweiten usw. könnten ohne Daten zu den Körper- und Bewegungsmaßen des Menschen kaum festgelegt werden. Die Anwendung von Ergonomie-Normen ist für eine ordnungsgemäße CE-Kennzeichnung unverzichtbar.

Die Anforderung: Maschinen sollen für unterschiedliche Menschen gleichermaßen sicher und ergonomisch zu bedienen sein.

Leitfaden zur Anwendung anthropometrischer Daten

Bildquelle: Thinkstock

Leitfaden zur Anwendung anthropometrischer Daten

Für Konstrukteure und Mitarbeiter in der Produktnormung, die sich mit anthropometrischen Fragen beschäftigen, hat die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) im Mai 2013 eine neue Studie herausgegeben. Auftraggeber war der Verein zur Förderung der Arbeitssicherheit in Europa e.V. (VFA). Die „Rohfassung eines Leitfadens für die richtige Auswahl und Anwendung anthropometrischer Daten“ bietet auf 70 Seiten eine Fülle von Informationen, u. a. zu folgenden Fragen:

  • Woher kann ich anthropometrische Daten erhalten?
  • Wie kann ich anthropometrische Daten nutzen?
  • Was muss ich tun, wenn ich das für meine Konstruktion nötige Maß nicht finden kann?
  • Was muss ich bei der Anwendung von Daten von männlichen und weiblichen Personen zu beachten?
  • Welchen Einfluss hat die Bekleidung auf die Anwendbarkeit der Daten?
  • Welchen Einfluss hat das Alter der Daten?

Die Studie ist auch ohne Fachwissen und Spezialkenntnisse gut zu verstehen. Fachbegriffe wie etwa zur Bedeutung von Perzentilen in anthropometrischen Datensammlungen werden anschaulich erläutert. Konstruktionsbeispiele zeigen die praktische Vorgehensweise.

Einige häufig gebrauchte Körpermaßdaten wie Ellbogenhöhe über Standfläche oder Zeigefingerbreite werden mit einem Warnhinweissystem angegeben. Drei Warnstufen weisen darauf hin, wo mit größerer Variabilität zu rechnen ist oder wo weitere Einflussfaktoren wie Bewegungen, Bekleidung, Frisur usw. zu berücksichtigen ist.

Download des Leitfadens: KAN-Studie 51: „Rohfassung eines Leitfadens für die richtige Auswahl und Anwendung anthropometrischer Daten“, Mai 2013

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