Mit Sicherheit kein Risiko: 10 Jahre Bundesinstitut für Risikobewertung

Das Bundesinstitut für Risikobewertung feiert in diesem Monat seinen 10-jährigen Geburtstag. Die Berliner Bundesbehörde wurde 2002 mit dem Ziel gegründet, unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Interessen den gesundheitlichen Verbraucherschutz in Deutschland zu stärken. Zu den wichtigsten Arbeitsfeldern zählen Produktsicherheit, Lebensmittelsicherheit und Chemikaliensicherheit. An zentraler Stelle stehen Risikobewertungen von Verbraucherprodukten zum Schutz und zur Information von Bürgern und Unternehmen.

Ob Hygiene von Trinkwasserspendern, Schadstoffe in Textilien, Weichmacher in Lebensmittelverpackungen oder Beförderung von Gefahrgut, immer dann, wenn es um die Gesundheit und Sicherheit von Verbrauchern in Deutschland geht, ist das Bundesinstitut für Risikobewertung gefragt. Primäre Aufgaben sind die Risikobewertung und die Risikokommunikation mit dem Ziel, den Endverbraucher zu schützen. In den zehn Jahren seit der Gründung im Jahr 2002 hat sich das Institut zur zentralen Anlaufstelle für Privatpersonen, Unternehmen, Verbände und Journalisten in Sachen Gesundheitsrisiken für Verbraucher entwickelt. Bis heute wurden mehr als 3.000 wissenschaftliche Stellungnahmen veröffentlicht.

Logo des BfR zum 10-jährigen Jubiläum
Logo des BfR zum 10-jährigen Jubiläum

Quelle: www.bfr.bund.de

Die Behörde mit Sitz in Berlin ist dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zugeordnet. Ihre Aufgaben sind im BfR-Gründungsgesetz geregelt, ergeben sich aber auch aus etwa einem Dutzend weiterer Gesetze wie dem Gentechnikgesetz, dem Lebens- und Futtermittelgesetzbuch, dem Pflanzenschutzgesetz sowie dem Chemikalienrecht.

Mehr als 750 Mitarbeiter, darunter über 300 Wissenschaftler, arbeiten an vier Standorten in unterschiedlichen Abteilungen. Die einzelnen Abteilungen des Instituts spiegeln die Haupt-Aufgaben des Instituts wieder:

  • Biologische Sicherheit
  • Wissenschaftliche Querschnittsaufgaben
  • Lebensmittelsicherheit
  • Sicherheit in der Nahrungskette
  • Produktsicherheit
  • Chemikaliensicherheit
  • Experimentelle Toxikologie und ZEBET

ZEBET ist die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch. Entwicklung und Validierung von Alternativen zu Tierversuchen sind ebenfalls ein Arbeitsschwerpunkt des BfR. Dem BfR zugeordnet sind außerdem 17 Nationale Referenzlaboratorien (NRL) aus dem Bereich Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelhygiene.

Zur rechtlichen und gesellschaftspolitischen Einordnung des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) ist Folgendes wichtig zu wissen.

  1. Unabhängigkeit: Das BfR unterliegt keiner Fachaufsicht hinsichtlich seiner Risikobewertungen. Damit soll eine Referenz für Bürger und Verbraucher, aber auch für Unternehmen und Wirtschaft gewährleistet werden, die von wirtschaftlichen und politischen Interessen unabhängig bleibt.
  2. Ohne Überwachungsfunktion: Das BfR fungiert nicht als Überwachungsbehörde im eigentlichen Sinne. Das Institut spielt jedoch in einer Vielzahl von Zulassungs- und Anmeldeverfahren eine Rolle.

Besonders die Arbeit der Fachgruppen der Abteilung „Wissenschaftliche Querschnittsaufgaben“ sind auch für viele Unternehmen relevant. Sie betrifft folgende Arbeitsfelder:

  • Sicherheit bei Transporten und Koordination REACH
  • Vergiftungs- und Produktdokumentation
  • Epidemiologie
  • Biometrie und mathematische Modellierung
  • Expositionsschätzung und -standardisierung
  • Informationstechnik
  • Qualitätsmanagement.

Darüber hinaus ist die Abteilung „Wissenschaftliche Querschnittsaufgaben“ auch „Bundestelle für Gute Labor Praxis“ (GLP-Bundesstelle). GLP (Good Laboratory Practice) ist ein international anerkanntes Qualitätssicherungssystem zum Gesundheits- und Umweltschutz von chemischen Produkten. Als GLP-Bundesstelle ist das BfR zuständig für die Koordinierung und Harmonisierung GLP-relevanter Fragen im nationalen und internationalen Bereich. Außerdem überwacht die Bundesstelle GLP-Prüfeinrichtungen im In- und Ausland.

Gerade bei den Aufgaben Risikobewertung und Risikokommunikation wird deutlich, wie die Arbeit des BfR nicht nur Verbraucher und Kunden, sondern auch Wirtschaft und Unternehmen betrifft. Ein Beispiel: Wenn in der Lebensmittelindustrie Produkte gekennzeichnet verwendet werden, kleben die Etiketten auf der Produkt-Verpackung oder aber – wie etwa bei Obst oder Käse – auch auf dem Produkt selbst. Selbstverständlich muss verhindert werden, dass gesundheitsschädliche Substanzen aus dem Etikettenmaterial oder dem verwendeten Klebstoff in das Lebensmittel gelangen können. Daher legt das BfR Vorschriften für die Prüfungen fest und veröffentlicht Listen von Substanzen, die für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen sind. Nützlich für betroffene Unternehmen ist die Datenbank „BfR-Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt“ (die früheren „KunstStoff-Empfehlungen“).

Das Ziel, dem Endverbraucher sichere Produkte zu gewährleisten, erinnert an den Anspruch der CE-Kennzeichnung. Auch hier werden Risikobewertung und Risikokommunikation bzw. -dokumentation gefordert, u. a. durch die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Ein dem CE-Kennzeichen vergleichbares europaweit einheitliches Symbol für die Konformität mit dem Regelwerk gibt es z. B. für Lebensmittel jedoch nicht.

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