RAPEX spürt immer mehr unsichere Produkte auf – Elektrogeräte auf Platz 3

Das EU-Schnellwarnsystem Rapex wird immer erfolgreicher. So könnte man die Zunahme an Alarmmeldungen im letzten Jahr interpretieren. Die EU-Kommission hat im Mai die Auswertung der Meldungen zu Produktmängeln veröffentlicht. Nach Textilien und Spielzeug liegen Elektrogeräte an der Spitze der Mängelstatistik. Herstellende und importierende Unternehmen tun gut daran, sich mit dem Risikobewertungsverfahren nach RAPEX auseinanderzusetzen.

Wird die Überwachung schärfer? Oder nimmt die Zahl der Produktmängel zu? Die Rapex-Mängelzahlen lassen verschiedene Interpretationen zu. Ein gewisses Funktionieren kann man dem Schnellwarnsystem der EU nicht absprechen, Produktsicherheit bleibt das große Ziel. Verbraucherschützer kritisieren jedoch, dass die Überwachsungsbehörden nicht in der Lage seien, die Bürger der EU vor gefährlichen Produkten zu schützen.

2.279 Alarmmeldungen, das bedeutet eine Zunahme um 26 Prozent binnen eines Jahres. Mehr als die Hälfte der gemeldeten, mit einem Risiko behafteten Produkte stammte auch im vergangenen Jahr aus China. Dennoch bleiben 330 gefährliche Produkte, die in europäischen Ländern hergestellt wurden. 60 davon stammten aus deutscher Produktion, wo die Marktüberwachung Sache der Länder ist.

Gefährlich: Elektrogeräte bei Produktmängeln auf dem dritten Platz

34 Prozent der Mängel in 2012 betrafen Kleidungsstücke, beispielsweise eine mit krebserzeugenden Substanzen behandelte Wildlederjacke. Bei 19 Prozent ging es um Kinderspielzeug. Auch hier werden immer wieder unerwünschte chemische Stoffe gefunden. Ein weiteres Problem sind verschluckbare Kleinteile, die zur Gefahr für Kleinkinder werden können. Mit 11 Prozent betrifft mehr als jeder zehnte Produktmangel ein Elektrogerät (s. Grafik). Als Beispiele seien kurzschlussgefährdete Akkus von Elektrofahrrädern genannt, ein Bauteil eines Bremsassistenten eines Automobilherstellers oder ein Wasserkocher ohne Sicherung, der beim Einschalten zu Schmelzen beginnen kann.

Gemeldete Produktkategorien im EU-Schnellwarnsystem Rapex 2012

Produktmängel Rapex 2012

Abbildung: Friedhelm Kring, Quelle der Zahlen: EU-Kommission

Nicht erfasst vom Rapex-System werden Lebensmittel, ebenso wenig wie Medikamente und medizinische Geräte.

Hinweis: Deutschland betreffende Auszüge aus den „weekly reports“, den wöchentlichen RAPEX-Berichten können Sie auf einer Webseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) einsehen.

Warum RAPEX für Unternehmen relevant ist

Über die grundlegenden Schritte zur Risikobewertung nach den RAPEX-Leitlinien informiert die Software CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie. Hier finden Sie ausführlich dargelegt, wie anhand von 4 Tabellen eine Risikobewertung vorgenommen wird. Dabei geht es um

  • die Verbraucherkategorie (Tabelle 1, berücksichtigt z.B. besondere Gefährdungen für Kleinkinder),
  • Gefahren, typische Verletzungsszenarien und typische Verletzungen (Tabelle 2, hier geht es z.B. um Energie, Temperatur, Strahlung, Giftigkeit usw.),
  • den Schweregrad der Verletzung (Tabelle 3, zu berücksichtigen sind der Umfang notwendiger medizinischer Behandlung und die Beeinträchtigung der Körperfunktionen) sowie um
  • den Risikograd als Resultat der Kombination aus Schweregrad der Verletzung und Wahrscheinlichkeit (Tabelle 4).

Diese Art der Risikobewertung (RAPEX-Methode) richtet sich in erster Linie an die Marktaufsichts- und Kontrollorgane. Dennoch ist die Kenntnis auch für Hersteller und Importeure aufschlussreich und wichtig, spätestens bei einem Schriftwechsel mit einer Marktüberwachungsbehörde. Denn das Produktsicherheitsgesetz verpflichtet Hersteller, ausschließlich sichere Produkte in Verkehr zu bringen. Je besser ein Hersteller um das Vorgehen der Behörden und deren Art der Risikountersuchung weiß, desto eher kann er möglichen Konflikten vorbeugen und beispielsweise Messwerte aus eigenen Risikobeurteilungen im Rahmen des Konformitätsbewertungsverfahrens liefern.

Die vier genannten Tabellen gehen auf die sogenannten RAPEX-Leitlinien zurück. Sie finden dieses Dokument (Richtlinie 2001/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die allgemeine Produktsicherheit) im Originalwortlaut samt den Tabellen in voller Länge im Werk CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie.

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