Neuer RAPEX-Bericht: Verstöße gegen die Produktsicherheitsrichtlinie auf Rekordniveau

Auf dem europäischen Markt werden immer mehr gefährliche Produkte angeboten. Und das, obwohl die europäischen wie nationalstaatlichen Vorschriften zur Produktsicherheit weltweit höchsten Standard haben. Ende März hat die EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung den jährlichen Bericht der EU-Kommission zum RAPEX-System vorgelegt. Demnach haben die Kontrolleure im Jahr 2014 europaweit 2.435 riskante Produkte aus dem Verkehr gezogen, das sind 71 mehr als im Jahr zuvor.

RAPEX steht für „Rapid Exchange of Information System“. Dieses Schnellwarnsystem besteht seit zwölf Jahren und soll die Warensicherheit auf dem europäischen Binnenmarkt verbessern. Grundlage der Warnmeldungen sind die Vorgaben der europäischen Produktsicherheitsrichtlinie 2001/95/EG.

Europaweite Produktwarnungen und -rückrufe

Mit dem Datenbank-basierten Überwachungssystem RAPEX haben alle europäischen Staaten die Möglichkeit und die Pflicht, sich gegenseitig vor gefährlichen Produkten zu warnen, sobald ein sicherheitsrelevanter Mangel oder ein Sicherheitsrisiko in einem der Länder bekannt werden. Über die RAPEX informieren sich die EU-Staaten gegenseitig vor solchen Produkten. Betroffene Waren können so möglichst rasch schnell aus dem Handel genommen werden. Denn auf die Warnung folgen meist Aktionen zum Produktrückruf.

Neben den insgesamt 28 EU-Ländern nehmen auch die Nicht-EU-Staaten Island, Norwegen und Liechtenstein am RAPEX-System teil. Für Deutschland ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Anlauf- und Kontaktstelle für das RAPEX-System.

Weitere Informationen zu Datenbanken und Meldesystemen zur Produktsicherheit sowie zum Verfahren der Marktüberwachung finden Sie im Werk „Produktsicherheit in Europa“.

Fundamente der Produktsicherheit
Rapexbericht

Quelle: CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie, Autor: Matthias Honnacker

 

Stromschlag durch Flutlichtstrahler – Schwermetalle in Lederhandschuhen

Auch in den aktuell vorgelegten Zahlen wird deutlich, dass sich der Trend der Zunahme von Sicherheitsmängeln fortsetzt. Seit 2003 sind die RAPEX-Meldungen in 10 von 11 Jahren stets angestiegen. Unklar bleibt, ob sich tatsächlich die Anzahl gefährlicher Produkte erhöht oder ob die gestiegenen Zahlen eine Folge effizienterer Kontrollen und eines gestiegenen Sicherheitsbewusstseins sind.


Links-Tipp:


An häufigsten in den Fokus der Überwachungsbehörden gerieten auch 2014 wieder Spielsachen, in denen gesundheitsschädliche Substanzen gefunden wurden. Zu fast zwei Dritteln stammten die als gefährlich erkannten Produkte aus chinesischer Produktion.

Auch technische Arbeitsmittel betroffen

Doch umfassen die RAPEX-Meldungen zur Produktsicherheit bei weitem nicht nur Kinderspielzeug, sondern die meisten Non-Food-Verbraucherprodukte und technischen Arbeitsmittel. Das reicht von Kosmetika und Kleidung über alltägliche Bedarfsgegenstände privat oder am Arbeitsplatz bis zu Haushaltsgeräten, Maschinen und Fahrzeugen. So wurden z.B. auch schon Laserpointer von den Behörden vom Markt genommen. Selbst die Namen großer Automobilhersteller finden sich in den wöchentlich veröffentlichten RAPEX-Meldungen.

Auch die jüngsten Meldungen sind äußerst vielfältig. Sie umfassen Gesundheitswarnungen vor Lösungsmitteln in Kinderschuhen ebenso wie Warnungen vor der Gefahr eines elektrischen Stromschlags durch LED-Flutlichtstrahler.

296 der 2.435 Meldungen aus dem vergangenen Jahr stammten aus Deutschland. Das bedeutet nicht, dass 296-mal ein hierzulande hergestelltes Produkt bemängelt wurde, sondern dass der Mangel zuerst in Deutschland aufgefallen ist. Deutschland belegt hier einen Spitzenplatz vor Ungarn und Spanien. Offenbar ist hierzulande das Sicherheitsbewusstsein besonders hoch oder es wird besser kontrolliert.

Für weitere Informationen zur Risikobewertung nach den neuen RAPEX-Leitlinien und zur Bedeutung von RAPEX für Unternehmen können Sie in den ebooks zum Werk „Technische Dokumentation“ nachschlagen oder im Kapitel zur Produktsicherheitsrichtlinie des Werks „CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie“. RAPEX richtet sich zwar in erster Linie an die Behörden. Das Wissen um die RAPEX-Methoden, -Leitlinien und -Kriterien ist jedoch auch für herstellende Unternehmen nützlich.

Weitere Fachbeiträge zur Produktsicherheit in Europa und deren Überwachung finden Sie unter folgenden Links:

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