Brandneu: Internationales Online-Portal listet Produktrückrufe weltweit

Im Rahmen der internationalen Woche für Produktsicherheit wurde ein neues Portal zum Rückruf von Produkten freigeschaltet. Das Projekt mit dem Titel „Global portal on product recalls“ ermöglicht es Verbrauchern, Behörden und Unternehmen, sich weltweit über aus dem Verkehr gezogene Produkte zu informieren. Voraussichtlich etwa 3.000 Mitteilungen aus der Europäischen Union, den USA, Kanada und Australien werden pro Jahr erwartet.

Die Globalisierung und der zunehmende Online-Handel erleichtern den internationalen Warenaustausch. Wo früher Schiffsladungen monatelang unterwegs waren und Waren dann erst über Händler, Märkte und Läden weiter verteilt werden mussten, genügen heute wenige Mausklicks. Ebay und Einkaufsportale ermöglichen einen schnellen Kontakt. Im weltweiten Dorf hat jeder mit dem Internetzugang auch direkten Zugang zum größten Marktplatz, den es je gab.

Einkauf per Mausklick zu Lasten der Produktsicherheit?

Doch das einfache Einkaufen über Ländergrenzen oder sogar Kontinente hinweg bringt auch neue Herausforderungen für die Überwachungsbehörden. Zwischen Endverbraucher oder Einkäufer eines Unternehmens und dem Hersteller stehen oft nur noch wenige bis keine Zwischenschritte. Wenn unsichere und gefährliche Produkte in einem Land zurückgerufen werden, ist das für den Käufer in einem anderen Land oft nicht ersichtlich.

Um die Übersicht über Produktrückrufe auf internationaler Ebene zu verbessern, hat die Europäische Union gemeinsam mit den OECD-Mitgliedsstaaten das neue „Global portal on product recalls“ ins Leben gerufen. Die Projektträger arbeiten dabei eng mit den internationalen Organisationen zu Produktsicherheit, Normung und Standardisierung zusammen wie der ISO-Organisation oder der UNECE, der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa. Auch zu NICHT-OECD-Ländern wie Brasilien oder China bestehen Kontakte.

Die europäischen Behörden werden z. B. die Ergebnisse von RAPEX, dem EU-Schnellwarnsystem für Non-Food-Erzeugnisse, in das neue Portal einpflegen, USA, Kanada und Australien die Befunde ihrer jeweiligen nationalen Behörden. Weitere OECD- und Nicht-OECD-Länder werden sich in den kommenden Monaten an dem Projekt beteiligen. Die Datenbasis soll stetig wachsen mit dem Ziel, den Verbraucher auf dem Weltmarkt immer besser zu schützen.

Eine Billion US-Dollar Folgekosten durch unsichere Produkte!

Neueste Statistiken belegen, wie notwendig ein schneller Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen zu Produkten ist: In Südkorea z. B. ist die Zahl der Rückrufe in diesem Jahr um 25 Prozent im Vergleich zu 2011 angestiegen. Doch nicht nur Asien ist betroffen. Auch in Frankreich erfüllt jedes vierte importierte Produkt nicht die Vorgaben im Zusammenhang mit der CE-Kennzeichnung. Die Kosten für Unfälle, Verletzungen und Tod durch unsichere und gefährliche Produkte werden weltweit auf insgesamt rund 1 Billionen US-Dollar geschätzt.

Rückrufaktionen nehmen zu und sind für Unternehmen teuer
Produktrückruf

Bild: Friedhelm Kring

Ob Kindersitz oder Kosmetika, Kettensägen oder Kompressoren, Mängel und Beanstandungen gibt es nicht nur bei Produkten für den privaten Verbraucher, sondern auch an technischen Arbeitsmitteln und Maschinen für den industriellen Einsatz. Bei Mängeln in Sachen Maschinensicherheit kommt es immer wieder zu schweren, auch tödlichen Arbeitsunfällen. Das neue Portal soll dazu beitragen, durch einfachen und schnellen Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen die Zahl solcher Unfälle zu vermindern.

Die Fakten zum neuen Produktrückruf-Portal

  • Aufgebaut wurde das Portal von einer Arbeitsgruppe der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).
  • Der Start des Portals erfolgte am 19. Oktober 2012.
  • Die offizielle Bezeichnung lautet: Global portal on product recalls (deutsch: Weltweites Portal zu Produktrückrufen)
  • Der Zugang erfolgt über http://globalrecalls.oecd.org/.
  • Das Portal ist kostenlos benutzbar und steht jedermann frei.
  • Das Portal bietet eine freie Textsuche wie auch eine detaillierte Abfrage durch Wahl von Land, Hersteller, Datum usw.

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