Gefährliche Produkte 2017: Deutschland Spitzenreiter bei den Herkunftsländern vor USA und China

In Dokumentationen und Diskussionen um unsichere und gefährliche Produkte wird hierzulande gern mit dem Finger nach Ostasien gezeigt. Doch die aktuell veröffentlichten Zahlen der BAuA zeigen die Fortsetzung eines Trends, nach dem Produktmängel immer häufiger bei heimischen Produkten festgestellt werden.

Die BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) hat in der ersten Maiwoche ihre neuesten Statistiken zur Produktsicherheit veröffentlicht. Die Zahlen beruhen u.a. auf einer Auswertung der Meldungen über das europäische Schnellwarnsystem RAPEX.

Bauteilbrüche und Festigkeitsmängel: Mehr als jedes dritte beanstandete Produkt stammt aus heimischer Produktion

Das sind die wichtigsten aktuellen Daten zur Produktsicherheit:

  • Über zwei Drittel der in 2016 über RAPEX gemeldeten Produkte verstießen gegen das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG).
  • 35 Prozent der von deutschen Marktüberwachungsbehörden gemeldeten gefährlichen Produkte wurden in Deutschland produziert.
  • Die mit Abstand größte Gruppe der beanstandeten Produkte betrifft Fahrzeuge und Aufbauten inklusive Fahrzeugteilen und -zubehör.
  • Gründe der Beanstandungen waren in der überwiegenden Zahl der Fälle mechanische Gefährdungen wie Bauteilbrüche oder Festigkeitsmängel. Hier lag auch in den letzten Jahren bereits der Schwerpunkt der Sicherheitsmängel.

Erstmals hat die BAuA in Ihrem Produktsicherheitsbericht auch RAPEX-Meldungen erfasst, die auf Verstöße gegen die REACH-Verordnung zurückgehen. Die REACH-Verordnung regelt seit 2007 europaweit die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Mehr als zwei Drittel der Beanstandungen stammten aus der Kategorie „Bedarfsgegenstände für Heim und Freizeit“. Betroffen waren z.B. Schuhe und Lederhosen mit zu hohen Chromgehalten oder Spielzeuge mit unzulässig hohen Konzentrationen von Blei oder Nickel.

Fahrzeuge und Maschinen müssen sicher sein, u.a. durch trennende Schutzeinrichtungen

Säge Stahlseil

Bildquelle: thinkstock

Trend bestätigt: Weniger Produkte aus China beanstandet, dafür umso mehr aus Deutschland

Nachdem Deutschland im vergangenen Jahr den früheren Spitzenreiter China bei der Anzahl der bemängelten Produkte abgelöst hatte, war mit Spannung erwartet worden, wie die heimische Industrie in Sachen Produktsicherheit in diesem Jahr abschneiden würde. Auch bei den aktuell vorgelegten Zahlen steht Deutschland mit 35 Prozent aller gemeldeten gefährlichen Produkte an der Spitze der Herkunftsländer. Danach folgen die USA, China und Frankreich. Damit bestätigt sich der Trend der letzten Jahre, dass der Anteil beanstandeter Produkte aus chinesischer Produktion sinkt, während der Anteil der aus heimischer Produktion stammenden gefährlichen Produkte zunimmt.

Anderseits muss hier darauf hingewiesen werden, dass die veröffentlichten Zahlen nicht ohne Weiteres zu bewerten sind. So sagt die absolute Zahl beanstandeter Produkte wenig aus, wenn sie nicht ins Verhältnis gesetzt wird zur Zahl der aus einem Land hergestellten Produkte insgesamt. Wer mehr exportiert, bei dem werden – auch bei gleichem oder gar höherem Produktsicherheitsniveau – rein statistisch auch mehr Produktmängel gefunden werden.

Produktwarnungen und -rückrufe nehmen weiter zu

Die Zahl der Produktwarnungen und -rückufe ist weiter angestiegen. Nach 115 im Jahr 2013, 144 im Jahr 2014 und 152 in 2015 sprang ihre Zahl im letzten Jahr auf den Rekordwert von 190 Fällen von Produktwarnung oder Produktrückruf. Hier stehen Lebensmittel mit fehlerhafter Verpackung oder Verdacht auf Fremdkörper an der Spitze, gefolgt von Elektrogeräten und Elektrozubehör.

Die BAuA macht keine Angaben, wie der deutliche Anstieg bei den Warnungen und Rückrufen zu bewerten ist. Aus den Zahlen allein kann kaum geschlossen werden, ob die Produktsicherheit nachgelassen hat (und deswegen mehr Produkte zurückgerufen werden), ob die Marktüberwachung strenger oder intensiver geworden ist oder ob die Hersteller heute selbstkritischer agieren als in früheren Zeiten. Denn erfasst werden auch Produktwarnungen, die auf Meldungen durch einen Hersteller zurückgehen.

Weniger Untersagungsverfügungen

Bemerkenswert ist, dass die Zahl der gemäß §§ 26 und 31 des Produktsicherheitsgesetzes veröffentlichten Untersagungsverfügungen im letzen Jahr offenbar deutlich gesunken ist. Solche Untersagungsverfügungen sind stets die letzte Notmaßnahme einer Behörde, wenn ein Produkt als so gefährlich erachtet wird, dass Gefahren für Leben oder Gesundheit der Benutzer bestehen.

Während dazu in den letzten Jahren oft mehrere Dutzend Fälle in den Berichten der BAuA mit Fotos und Angabe der Sicherheitsmängel dokumentiert wurden, finden sich im aktuellen Bericht nur zwei Einträge. Zum einen geht es um ein Kinderbett mit Verletzungsgefahr. Der andere Fall betrifft eine Säge mit ungenügenden Schutzeinrichtungen. Da beim Betrieb der Säge ein direkter Zugriff zum Sägeblatt möglich ist, besteht die Gefahr schwerer Verletzungen. Dieses Maschinenmodell darf daher nicht mehr vertrieben werden.


Sie finden die aktuelle Dokumentation „Gefährliche Produkte 2017 – Informationen zur Produktsicherheit“ zum kostenfreien Download als PDF-Datei auf den Internetseiten der BAuA.
I. Bentz, A. Bilinski, T. Bleyer, J. Blume, M. Pendzich:
Gefährliche Produkte 2017. Informationen zur Produktsicherheit
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2017. Seiten 69


Alle aktuellen Produktrückrufe, Produktwarnungen, Untersagungsverfügungen und sonstige Informationen zu gefährlichen Einzelprodukten können Sie jederzeit in der BAuA-Datenbank „Gefährliche Produkte in Deutschland“ einsehen.

Alle relevanten Informationen zum Thema „Produktsicherheit“ finden Sie hier.

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