Gefährliche Produkte 2016: Deutschland löst China bei den Produktwarnungen ab

Vor einigen Tagen hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ihre aktuelle Dokumentation „Gefährliche Produkte 2016 – Informationen zur Produktsicherheit“ veröffentlicht. Diese jährlich erscheinende Übersicht berücksichtigt alle Produkte, die dem Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) und dessen zugehörigen Verordnungen (Produktsicherheitsverordnungen/ProdSV) unterliegen. Der wichtigste Befund ist, dass Deutschland Spitzenreiter bei der Anzahl der erfassten mangelhaften Produkte geworden ist und damit China ablöst.

Die neue Dokumentation wertet die Produktwarnungen und Produktrückrufe des vergangenen Jahres aus. Erfasst wurden Vorkommnisse aus der europäische Marktüberwachung, der nationalen Marktüberwachung, Behördenmeldungen sowie Produktrückrufe und -warnungen. Die Meldungen gehen z.T. über das RAPEX-System der Europäischen Kommission ein.

Die wichtigsten Daten aus dem neuen Report:

  • Im Jahr 2015 wurden europaweit insgesamt 2.123 RAPEX-Meldungen ausgelöst und durch die Europäische Kommission validiert.
  • Zwei von drei der per RAPEX gemeldeten Produkte verstießen allgemein gegen das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG).
  • Deutschland führt erstmalig die Liste der Herkunftsländer an. Der Anteil von beanstandeten Produkten aus China ist von mehr als 30 Prozent in früheren Jahren auf 21,5 Prozent gesunken. Der Anteil der aus Deutschland stammenden gefährlichen Produkte nimmt dagegen seit 2013 zu und liegt inzwischen bei fast 25 Prozent.
  • Deutschland nimmt eine Führungsrolle ein bei der Anzahl der Maßnahmen, die freiwillig von Herstellern/Bevollmächtigten, Importeuren und Händlern ergriffen wurden.
  • Die meisten Produktwarnungen in der Mängelstatistik betrafen die Produktkategorien „Fahrzeuge und Aufbauten“ oder Fahrzeugteile beziehungsweise Fahrzeugzubehör. An zweiter Stelle standen Verstöße gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB).
  • Spitzenreiter bei der Unterscheidung nach Produktgruppen waren mit 31 Prozent der gemeldeten Produktmängel Bedarfsgegenstände für Heim und Freizeit. Maschinen und persönliche Schutzausrüstungen waren weniger auffällig.
  • Die Zahl der Produktrückrufe ist weiter angestiegen. Sportgeräte und Fortbewegungsmittel, Verteiler und Stromwandler sowie Bedarfsgegenstände für Kinder führen die Statistiken an.

Aus Sicht des Herstellers und Konstrukteurs ist ein Blick auf die Mängelkategorien aufschlussreich. Produktmängel betrafen am häufigsten in absteigender Reihenfolge:

  • eine mechanische Gefährdung, z.B. durch einen Bruch aufgrund von Festigkeitsmängeln
  • eine stoffliche Gefährdung, meist mit der Folge einer allergischen Reaktion, etwa durch überschrittene Grenzwerte für Farbstoffe oder Chrom VI in Bekleidung oder Ohrsteckern.
  • eine elektrische Gefährdung, z.B. durch Netzadapter und Steckdosenleisten.

Mit jeweils weniger als 10 Prozent eher selten traten die Gefährdungsarten Strahlung, thermische Gefährdungen und Gefährdungen durch Umgebungseinflüsse auf.

Im Anhang zeigt der Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) einige Beispiele mit Angabe des jeweiligen Mangels bzw. der jeweiligen Gefährdung. Darunter ist z.B. ein Kompressor mit Druckbehälter, ein Laserpointer, eine Schärfmaschine und ein Pedelec.


Hinweis: Im Werk „CE-Kennzeichnung nach Maschinenrichtlinie“ finden Sie Fallbeispiele zur Produkthaftung auf der Grundlage der aktuellen Rechtsprechung. Ein Fachartikel zu den Rechtsgrundlagen der Produkthaftung ist Bestandteil des Werks „Produktsicherheit in Europa“.


Ebenfalls in der Dokumentation erfasst sind aktuelle Zahlen zum Unfallgeschehen mit Geräten und Maschinen. Für das Jahr 2015 wurden der BAuA 146 tödliche Arbeitsunfälle gemeldet; 117 davon standen im Zusammenhang mit technischen Produkten. In fast 7 von 10 Fällen ist die Unfallursache jedoch nicht technisches Versagen, z.B. von Sicherheits- und Schutzeinrichtungen, sondern menschliches Fehlverhalten.

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