Neue Normenliste zur Maschinenrichtlinie mit mehr als 60 Neuzugängen

Eine neue Normenliste zur Maschinenrichtlinie liegt vor. Die Europäische Kommission hat die Übersicht der harmonisierten Normen zur Maschinenrichtlinie aktualisiert und ergänzt. Die neue Normenliste wurde am 15.01.2016 im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Die Zahl der Sicherheitsnormen, welche die grundlegenden Anforderungen von Anhang I der Maschinenrichtlinie konkretisieren, ist damit erneut gewachsen.

Die Veröffentlichung einer Norm in dieser Liste mit dem Titel „Mitteilung der Kommission im Rahmen der Durchführung der Richtlinie 2006/42/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Mai 2006 über Maschinen und zur Änderung der Richtlinie 95/16/EG“ begründet – zumindest bei den allermeisten Normen vom Typ B und C – eine Konformitätsvermutung. Das bedeutet für den Hersteller: Eine Maschine oder ein anderes Produkt, welches in Übereinstimmung mit den in dieser Norm genannten Vorgaben und Bestimmungen konstruiert und gefertigt wurde, entspricht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie. Dies gilt natürlich nur für diejenigen Anforderungen, die durch die jeweilige Norm abgedeckt werden.

Sortiert nach A-, B- und C-Normen

Die Normen sind zunächst sortiert nach der jeweiligen europäischen Normenorganisation CEN oder Cenelec, dann nach zunehmender Spezifität. Die Normenliste wird daher angeführt von den A-Normen der CEN, dann kommen die B-Normen und schließlich die C-Normen. Es folgen die analogen Auflistungen der Cenelec. Bei beiden Listen ist die Anzahl der C-Normen bei Weitem am größten.

Die Einteilung der Normen in diese 3 Typen A, B und C basiert auf ihrer zunehmenden Spezifität wie folgt:

A-Normen sind sogenannte Sicherheits-Grundnormen. Sie stellengrundlegende Leitsätze auf und definieren zentrale Begriffe und Aspekte von Sicherheits- und Gesundheitsschutz. Was in einer Typ-A-Norm steht, gilt verbindlich für sämtliche Maschinen und Maschinentypen.

Beispiel für eine A-Norm: EN ISO 12100:2010 „Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze – Risikobeurteilung und Risikominderung“

B-Normen sind sogenannte Sicherheits-Gruppennormen, Sie behandeln solche Sicherheitsaspekte, die auf verschiedene Maschinengattungen angewandt werden können. Das sind z. B. die Anforderungen an die typischen Arten von Schutzeinrichtungen, die für eine Vielzahl unterschiedlicher Maschinenkategorien gleichermaßen gelten.

Beispiel für eine B-Norm: EN 626-1:1994+A1:2008 „Sicherheit von Maschinen – Reduzierung des Gesundheitsrisikos durch Gefahrstoffe, die von Maschinen ausgehen – Teil 1: Grundsätze und Festlegungen für Maschinenhersteller“

B-Normen werden unterteilt in B1-Normen und B2-Normen: B1-Normen beschreiben eher allgemeine Sicherheitsaspekte, die für mehrere ähnliche Maschinen in gleicher Weise gelten. Das können z B. notwendige Sicherheitsabstände sein, die Gestaltung von Schutzeinrichtungen oder Vorgaben für Oberflächentemperaturen. In B2-Normen geht es i. d. R. eher um spezifische Sicherheitsaspekte und spezielle Schutzeinrichtungen, wie Not-Aus-Schalter oder Lichtvorhänge, die für eine Reihe von Maschinen angewandt werden können.

C-Normen, die sogenannten Sicherheits-Produktnormen, sind die spezifischsten Normen. Sie nehmen auf Typ-A- und Typ-B-Normen Bezug, gehen jedoch viele konkreter und detaillierter auf bestimmte Risiken, Sicherheitsaspekte und Lösungen für ganz bestimmte Maschinentypen ein. In Typ-C-Nornen geht es auch um Sicherheitsbauteile und deren Prüfungen.

Beispiel für eine C-Norm: EN 618:2002+A1:2010 „Stetigförderer und Systeme – Sicherheits- und EMV-Anforderungen an mechanische Fördereinrichtungen für Schüttgut ausgenommen ortsfeste Gurtförderer“

Stufenstruktur der europäischen Normengestaltung unter Berücksichtigung der Maschinenrichtlinie
Stufenstruktur der europäischen Normengestaltung unter Berücksichtigung der Maschinenrichtlinie

Quelle: WEKA MEDIA: Dipl.-Ing. Harald Probst, Dipl.-Ing. Rudolf Hauke, „Sicherheitsnormen in der Elektrotechnik“

 

A-, B- und C-Normen in Konstruktion und Entwicklung

Aus Sicht des Entwickler und Konstrukteurs einer Maschine sind die Normen vom C-Typ oft die hilfreichsten und daher meist für die Konstruktionspraxis am ehesten relevant. Ein konsequentes Anwenden der Normen erleichtert die Risikobeurteilung im Verfahren zur Konformitätsbewertung.

Typ-C-Normen sind i. d. R. als Erstes zu betrachten. Liegt zu einem Sicherheitsaspekt einer bestimmten Maschine eine Typ-C-Norm vor, wie z. B. die EN 453:2014 zu den Sicherheits- und Hygieneanforderungen an Teigknetmaschinen, so hat diese Vorrang gegenüber Typ-A- oder Typ-B-Normen. Daneben können natürlich weitere C-Normen auf die gleiche Maschine zutreffen.

Bestehen für eine Maschine weitere Risiken und Gefährdungen, die in keiner C-Norm angesprochen werden, muss das Verfahren der Risikominimierung gemäß den Vorgaben aus Typ-B-Normen durchgeführt werden.

Sie können die neue Normenliste auf EU-Lex, einem Portal zum EU-Recht, herunterladen: Normenliste zur Maschinenrichtlinie vom 15. Januar 2016.

Lesen Sie zu den unterschiedlichen Einteilungen und Benennungen der verschiedenen Normentypen auch den Fachbeitrag: Artenvielfalt im Normenzoo: Diese Normtypen sollten Sie kennen.

Eine ausführliche Darstellung der Normung im Bereich der Maschinenrichtlinie finden Sie in Kap. 5.3 des Werks „CE-Kennzeichnung nach Maschinenrichtlinie„.

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