Manipulation an Maschinen: Ein Thema auch für Hersteller und Konstrukteure

Laut eines Reports der Berufsgenossenschaften und Unfallversicherer ist das Manipulieren von Schutzeinrichtungen eine häufige Unfallursache. Etwa jede dritte Maschine in deutschen Betrieben ist davon betroffen. Doch wenn Schutzmaßnahmen und -einrichtungen vom Maschinenbediener als störend empfunden werden, muss das Hersteller und Konstrukteure aufhorchen lassen. Denn erster Ansatzpunkt, Manipulationen an Schutzeinrichtungen zu vermeiden, ist die Konzeption und Konstruktion der Maschine.

Ob Sägen, Stanzen, Pressen oder Dreh- und Fräsmaschinen, die bei beweglichen Teilen vorgesehenen Schutzeinrichtungen wie z.B. Verkleidungen und Schutzgitter werden allzu oft umgangen oder abmontiert. In anderen Maschinen werden Lichtschranken ausgetrickst, Sicherheitsschaltungen überbrückt oder Positionsschalter von Schutztüren einfach verkeilt. Doch wenn Beschäftigte eine Schutzeinrichtung entfernen oder unwirksam machen, so ist es nur eine Frage der Statistik, bis ein Unfall passiert. Durch derlei „Tricks“, zusammengefasst unter dem Begriff „Manipulation von Schutzeinrichtungen“ kommt es jedes Jahr zu Tausenden von Verletzungen, viele davon schwer und auch mit Todesfolge.

Selbstverständlich müssen die Sicherheitsverantwortlichen in den Betrieben darauf achten, dass solches verbotenes Manipulieren und Tricksen unterbleibt. Dennoch genügt es nicht, an den Maschinenbediener zu appellieren. Wenn Schutzeinrichtungen aus Gründen der Bequemlichkeit, vermeintlicher Zeitersparnis, kürzerer Laufwege, besserer Sicht auf Produktionsabläufe oder aus anderen Gründen von den an einer Maschine Beschäftigen ausgehebelt werden, kann die Verantwortung bis zum Hersteller der Maschine reichen.

Die Pflicht des Herstellers: Manipulation überflüssig machen!

Jeder Hersteller einer Maschine ist aufgefordert, neben dem bestimmungsgemäßen Gebrauch immer auch Fehlhandlungen der Maschinenbediener zu berücksichtigen. Dies fordert die Maschinenrichtlinie in Anhang 1. Jede gefahrbringende nicht bestimmungsgemäße Verwendung soll verhindert werden und dies ist schon bei Planung und Konstruktion einer Maschine zu berücksichtigen. Auch z.B. das Abmontieren von als störend empfundenen Schutzeinrichtungen kann als eine vorhersehbare Fehlbedienung angesehen werden. Entwickler und Konstrukteure müssen sich daher folgende Fragen stellen:

  • Werden Schutzmaßnahmen als störend empfunden oder ermöglichen sie ein jederzeit einfaches und komfortables Bedienen der Maschine?
  • Welche Motivation könnte bestehen, eine Schutzeinrichtung zu umgehen? Welche Vorteile verspricht sich das die Maschine bedienende Personal möglicherweise von einer Entfernung von Schutzeinrichtungen?
  • Welche Ereignisse könnten dem Maschinenbediener als Anlass dienen, eine Schutzeinrichtung zu manipulieren?
  • Wie können wir die Maschine so bedienerfreundlich gestalten, dass für ein Manipulieren an Schutzeinrichtungen keinerlei Grund besteht?
  • Inwiefern können wir unsere Maschine so konstruieren, dass Manipulationen erschwert werden, z.B. durch individuell kodierte Positionsschalter?
  • Inwiefern können wir unserer Maschine beibringen, Manipulationen zu erkennen, z.B. durch intelligentere Steuerungssysteme?

Doch auch, wenn kein Anlass zu einer Manipulation erkennbar ist, sollten Sie einen entsprechenden Hinweis in die Betriebsanleitung aufnehmen (s. Abbildung).

Hinweis auf Manipulations-Verbot in der Bedienungsanleitung

Hinweis auf Manipulationsverbot in der Bedienungsanleitung

Quelle: Muster-Bedienungsanleitung aus dem Werk „Technische Dokumentation“, Autor; Kornelius R. Böcher

Inhärent sichere Konstruktion: Die eingebaute Sicherheit

Den wirkungsvollsten Schutz bietet eine inhärent sichere Konstruktion. Inhärent bedeutet „innewohnend“, die Sicherheit soll bereits innerer Bestandteil der Maschine sein. Die Maschine soll im Sinne dieser Sicherheitsphilosophie so eigensicher wie möglich gebaut werden:

Die EN ISO 12100:2010 definiert inhärent sichere Konstruktion als „Schutzmaßnahme, die entweder Gefährdungen beseitigt oder die mit den Gefährdungen verbundenen Risiken vermindert“ und zwar, indem „ohne Anwendung von trennenden oder nichttrennenden Schutzeinrichtungen die Konstruktions- oder Betriebseigenschaften der Maschine verändert werden.“ Dies bedeutet, wenn bei einer inhärent sicheren Konstruktion von Maschinen und der Wahl des Arbeitsverfahrens bestimmte Schutzvorkehrungen gar nicht erst nötig werden, können diese auch nicht manipuliert und ausgetrickst werden.

Dieser erste Schritt der Risikominderung durch Eigensicherheit kann z.B. erfolgen,

  • indem Kräfte oder Drehzahlen auf ein ungefährliches Niveau gemindert werden.
  • indem die Abstände zwischen beweglichen Teilen so verringert werden, dass keine Quetsch-Gefahren möglich sind.
  • indem Formen und Oberflächen von Maschinenteilen so gestaltet sind, dass Gefahren des Schneidens oder Scherens vermieden werden.
  • indem der Einsatz von Gefahrstoffen vermieden wird, weil diese durch ungefährlichere Alternativen ersetzt werden (Substitution).

Mit der Software „WEKA Manager CE“ erhalten Sie als Hersteller von Maschinen und Anlagen eine Unterstützung durch den kompletten CE-Prozess. Durch ein systematisches Vorgehen stellen Sie sicher, dass Sie schon während der Konstruktion vorhersehbare Fehlanwendungen berücksichtigen. Gefährdungen durch Manipulation von Schutzeinrichtungen beseitigen Sie im Rahmen einer softwaregestützten Risikobeurteilung.

Alle relevanten Fakten zur Maschinenrichtlinie finden Sie hier.

Kommentare sind geschlossen