In vielen Unternehmen findet man Laser unterschiedlichster Typen. Das Einsatzspektrum reicht vom Laserpointer über Laserdrucker, Laserscanner, Projektionslaser und Laserwasserwaagen bis zu Laserbearbeitungsmaschinen für Werkstücke. Das Gefährdungspotenzial ist unterschiedlich. Je nach Laserprodukt greifen die Anforderungen der Maschinenrichtlinie (MRL), der Niederspannungsrichtlinie und des Produktsicherheitsgesetzes. Lesen Sie hier, wann ein Laser unter die MRL fällt.

Laserprodukte müssen sicher sein. Auch deswegen, weil sie nicht nur in der Industrie, sondern auch verbrauchernah eingesetzt werden, z.B. in Laserpointern, bei Licht-Shows oder bei kosmetischen Anwendungen. Hersteller und Anwender müssen für einen sicheren Umgang mit Laserstrahlung verschiedene Vorgaben beachten. Dazu sind folgende Fragen zu klären:

  • Wodurch ist ein Laserprodukt charakterisiert?
  • Wann bzw. anhand welcher Kriterien sind Laserprodukte als Maschinen anzusehen?
  • Welche gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften gelten für welche Arten von Laserprodukten?

Diese Fragen sind nicht nur für Konstrukteure und Entwickler relevant, sondern auch für Einkäufer, Laser-Anwender, Laserschutzbeauftragte, Unfallversicherungsträger und Aufsichtsbehörden.

Was ist ein Laserprodukt?

LASER ist die Abkürzung für „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation“. Das heißt zu Deutsch etwa so viel wie “Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung“. Damit ist das Hauptrisiko von Laserquellen bereits benannt: eine verstärkte optische Strahlung, welche eine hohe Energiedichte aufweisen kann. Typische Laser emittieren eine Laserstrahlung im Wellenlängenbereich zwischen 100 nm und 1 mm. Je nach Emissionsdauer der Strahlung unterscheidet man Dauerstrichlaser und Impulslaser (Impulse < 0,25 Sekunden).

Typisch für Laserstrahlung ist die

  • Bündelung der Strahlung: die Laserstrahlen verlaufen (beinahe) parallel sowie die
  • Kohärenz der Strahlung: die Laserstrahlen haben die gleiche Wellenlänge und Schwingungsart, sie stehen in einer festen Phasenbeziehung zueinander.

Einige industriell oder in der Forschung eingesetzte Laser bestehen aus einer einzigen Laserquelle, die über ein Versorgungsgerät Energie bezieht. Andere Laser sind Bestandteile größerer Maschinen und Anlagen wie etwa Laserbearbeitungsmaschinen in der Metallbearbeitung, die Schweiß- oder Schneidaufgaben übernehmen.

Auch in Forschung und Entwicklung werden Laser eingesetzt

Laserprodukte Entwicklung Forschung

Bildquelle: Thinkstock

Anmerkung: Aufgrund der Kohärenz fallen Laser in der Arbeitssicherheit auch unter die „Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung“, kurz OStrV von 2010. Sie werden jedoch nicht von den im Januar 2014 veröffentlichten Technischen Regeln (TROS IOS) erfasst, denn das IOS steht für „Inkohärente Optische Strahlung. Eine Technische Regel zu Laserstrahlung ist in Arbeit und wird voraussichtlich noch in 2014 erscheinen.

Welche Richtlinien gelten für Laserprodukte?

Zu den wichtigsten für Hersteller von Laserprodukten relevanten Vorschriften gehören

  • die europäische Maschinenrichtlinie,
  • die europäische Niederspannungsrichtlinie.
  • die europäische EMV-Richtlinie 2004/108/EG und das (deutsche) Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (EMVG) sowie
  • die allgemeinen Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen nach europäischer Produktsicherheitsrichtlinie und (deutschem) Produktsicherheitsgesetz.

Laser können, müssen aber nicht unter die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG fallen. Maßgeblich ist die Definition, die die Maschinenrichtlinie selbst für Maschinen vorgibt. Danach können Laserprodukte Maschinen sein, aber auch unvollständige Maschinen, Sicherheitsbauteile, auswechselbare Ausrüstungen oder auch nicht als Maschine gelten.

Geht von einem Laserprodukt eine elektrische Gefährdung aus, so muss der Hersteller die Schutzziele der Niederspannungsrichtlinie erfüllen. Werden durch ein Laserprodukt elektromagnetische Störungen verursacht oder kann umgekehrt der Betrieb des Laserprodukts durch elektromagnetische Störungen anderer Quellen beeinflusst werden, dann greift die EMV-Richtlinie.

Bei der Abgrenzung der unterschiedlichen Laserprodukte hilft ein neues Interpretationspapier. Es wurde im Januar 2014 gemeinsam von Experten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BGETEM) und dem Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) herausgegeben. Die nachfolgenden Beispiele stammen aus diesem Dokument.

Beispiele für die Einordnung von Laserprodukten

Ein Laserpointer zählt nicht als Maschine im Sinne der Maschinenrichtlinie (MRL), da er zwar verbundene Teile hat, von denen mindestens ein Teil beweglich ist, aber nicht über ein anderes Antriebssystem als die unmittelbar eingesetzte menschliche (oder tierische) Kraft verfügt. Auch eine Laserwasserwaage erfüllt aus den gleichen Gründen nicht die Kriterien einer Maschine nach MRL.

Ein Show- oder Projektionslaser gilt gemäß der Definition der MRL als Maschine, da er

  1. über miteinander verbundene Teile verfügt,
  2. die für eine bestimmte Anwendung zusammengefügt wurden,
  3. von denen mindestens ein Teil beweglich ist und weil er
  4. mit einem anderen Antriebssystem als der unmittelbar eingesetzten menschlichen oder tierischen Kraft ausgestattet ist.

Diese vier genannten Kriterien treffen auch auf eine Laserbearbeitungsmaschine zu. Sowohl Laserbearbeitungsmaschinen wie Projektionslaser fallen zudem unter die EMV-Richtlinie.

Komplizierter wird es bei Laserschutzkabinen. Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden:

  1. Die Kabine wurde nach den Vorgaben des Kunden gebaut und ist am Aufstellort fest mit dem Laserprodukt zusammengefügt und wurde daher als Einheit in Verkehr gebracht und nicht auf dem Markt bereitgestellt.
  2. Die Kabine wurde für ein kundenspezifisches Produkt konstruiert und gesondert in Verkehr gebracht. In diesem Fall gilt die Laserschutzkabine als Sicherheitsbauteil gemäß MRL.

Weitere und ausführlichere Erläuterungen zur Definition von Maschinen gemäß Maschinenrichtlinie finden Sie darüber hinaus im WEKA Manager CE.

Alle relevanten Fakten zur Maschinenrichtlinie finden Sie hier.

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