Aktuelle Umfrage zum Maschinenkauf: Betriebssicherheit und Arbeitsschutz genauso wichtig wie Kaufpreis

Viele Unternehmen müssen gekaufte Maschinen anschließend verbessern lassen, damit diese den Sicherheitsanforderungen entsprechen. Doch ein nachträgliches Umrüsten wird oft sehr teuer. Daher ist es kein Wunder, dass Unternehmen bei Investitionsentscheidungen neben den Anschaffungskosten die Betriebssicherheit und Arbeitsschutzkriterien im Blick haben. Dies ist das Fazit der aktuellen Studie „Sicher investieren – Fehleinschätzungen beim Maschinenkauf“, die die BG ETEM Anfang Juni vorlegte.

An der Befragung hatten im Februar und März dieses Jahres Führungskräfte und Investitionsentscheider von rund 200 kleineren Betrieben aus dem Versicherungsbereich der BG ETEM (Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse) teilgenommen. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden

  • welchen Einfluss die Aspekte Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf Investitionen in Maschinen haben und
  • welche Rolle Prüfsiegel dabei spielen.

Die Ergebnisse sind z.T. überraschend und nicht nur für Arbeitsschützer und Überwachungsbehörden, sondern auch für Maschinenhersteller und Konstrukteure wissenswert. Hier die drei interessantesten Befunde:

1) Verbreitete Fehleinschätzung zur CE-Kennzeichnung

Überraschend ist, in wie vielen Unternehmen es an Basiswissen zur CE-Kennzeichnung zu fehlen scheint:

  • 9 von 10 der befragten Investitionsentscheider kennen die CE-Kennzeichnung.
  • Drei Viertel der Befragten glauben jedoch, das CE-Symbol werde von einem unabhängigen Prüfinstitut vergeben.
  • 86 Prozent der Mittelständler sind der (fälschlichen) Meinung, das CE-Symbol decke die Eigenschaft Betriebssicherheit ab.

Fakt ist, dass die CE-Kennzeichnung weder neutral vergeben wird noch ein Zeichen für eine unabhängige Prüfung einer Maschine darstellt. Im Gegensatz zum GS-Zeichen ist die CE-Kennzeichnung auch kein Garant für Betriebssicherheit und Arbeitsschutz. Mit dem Anbringen des CE-Symbols erklärt der Maschinenhersteller lediglich, dass er die gesetzlichen EU-weiten Mindeststandards für Sicherheit und Gesundheitsschutz einhält.

2) Teure Nachrüstungen sind ein Ärgernis

Etwa jedes sechste Unternehmen berichtet von Fällen, in denen eine Maschine nachträglich verändert werden musste, weil sie nicht den Sicherheitsanforderungen entsprach. Durch das Nachrüsten zur Beseitigung der Mängel sind 4 von 10 Unternehmen nach eigenen Angaben hohe bis sehr hohe Kosten entstanden. Die Ergebnisse der Befragung im Detail:

  • Jedes dritte Unternehmen musste schon einmal nachträglich Veränderungen an Maschinen vornehmen bzw. vornehmen lassen.
  • In jedem zweiten Fall war der Grund für die Nachrüstung, dass die Maschine nicht über die erforderlichen Schutzeinrichtungen verfügte.
  • Etwa zwei Drittel der Umbauten und Anpassungen wurden vom Hersteller vorgenommen, in einem Drittel der Fälle konnte der Betreiber den Mangel selbst beheben.
  • Weitere Gründe für nachträgliche Veränderungen waren: Qualität, Anpassung an die Gegebenheiten vor Ort, Funktionsumfang sowie Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter.
  • Branchenbezogen waren Mittelständler der Textilbranche deutlich häufiger von Mängeln an Produktionsmaschinen und Nachrüstungen betroffen als andere Maschinentypen.

Fakt ist, dass eine Maschine bei der Inbetriebnahme die geltenden Sicherheitsanforderungen zu erfüllen hat. Sie muss spätestens beim Aufstellen und Anschließen im Werk mit allen notwendigen Sicherheits- und Schutzeinrichtungen versehen sein, die die jeweils zutreffenden Richtlinien und Normen vorgeben.

Sicherheitsrelevante Nachrüstungen von Maschinen sind in der Textilbranche besonders häufig
Quelle: Thinkstock

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3) Deutschland bleibt wichtigstes Herkunftsland für Maschinen im Mittelstand

3 von 4 Unternehmen geben an, dass ihr Maschinenbestand älter als fünf Jahre ist. Für einen Neukauf scheint „Made in Germany“ nach wie vor ein entscheidungsrelevantes Kriterium zu sein.

  • 15 Prozent der befragten Mittelstandsunternehmen investieren momentan konkret in eine neue Maschine oder planen eine Investition.
  • Etwa jedes zweite Unternehmen nutzt überwiegend Spezialanfertigungen von Maschinen für die Produktion.
  • 3 von 4 Befragten bevorzugen bei Investitionsentscheidungen für Maschinen einen Anbieter aus Deutschland. Deutschland ist das mit Abstand wichtigste Herkunftsland für Maschinentechnik im Mittelstand.
  • Vor allem Maschinen und Anlagen aus dem Hochpreisbereich werden hauptsächlich von deutschen Anbietern erworben.

Offen bleibt und offenbar nicht untersucht wurde, ob und inwiefern der unliebsame Nachrüstungsbedarf mit dem Herkunftsland der Maschinen korreliert.

Insgesamt ist das Sicherheitsbewusstsein bei Investitionsentscheidern erfreulich hoch. Betriebssicherheit und Arbeitsschutz sind mit 58 und 56 Prozent beim Kauf einer neuen Maschinen oder Anlage genauso wichtige Kriterien wie die Kosten (58 Prozent der Befragten).

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