Artenvielfalt im Normenzoo: Diese Normtypen sollten Sie kennen

DIN, EN, ISO, IEC und ihre diverse Kombinationen, dazu Vornormen, Fachnormen, Werknormen, A-, B- und C-Normen … Haben Sie noch die Übersicht über die manchmal verwirrende Vielfalt der Normenbezeichnungen in Deutschland? Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Normen und Standards eingeteilt werden und mit jeweils unterschiedlichen Begriffen und Bezeichnungen. Lesen Sie hier eine zusammengefasste Übersicht.

Einteilung nach Wirkungsbereich

DIN XXXX ist eine nationale Norm mit Bedeutung für Deutschland. DIN steht für Deutsches Institut für Normung, dem Dienstleister für Normung und Standardisierung in Deutschland. Dahinter folgt eine Zählnummer.

Beachten Sie: Die Nummerierung von DIN-Normen hat keine Bedeutung für den Inhalt der Norn bzw. deren Klassifizierung. Naheliegende Ziffern müssen keineswegs inhaltliche Nähe der Normen bedeuten.

ÖNORM ist die analoge Bezeichnung der Norm in Österreich, SN für die Schweiz. Solche nationalen Normen sind nur in dem jeweiligen Staat gültig.

DIN VDE XXXX: Wenn eine Norm auch sicherheitstechnische Festlegungen hinsichtlich Elektrotechnik enthält, folgt nach DIN die VDE-Klassifikation (VDE = Verband Deutscher Elektrotechniker). In der Regel gibt es diese Norm dann auch als VDE-Bestimmung oder VDE-Leitlinie im VDE-Vorschriftenwerk (VDE XXXX) und die normativen Abschnitte sind jeweils identisch. Eine DIN-VDE-Norm ist gleichzeitig eine DIN-Norm und eine VDE-Richtlinie bzw. VDE-Bestimmung.

EN sind europäische Normen. Sie werden von der EU veröffentlicht und können von den einzelnen Staaten übernommen werden.

Bei EN-Normen aus dem Bereich der Elektrotechnik ist der Werdegang an der Nummerierung zu erkennen:

EN 50000 bis EN 59999 sind Normen, die von CENELEC erarbeitet wurden (CENELEC = Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung).

EN 60000 bis EN 69999 bezeichnet Normen, die in der IEC (Internationale Elektrotechnische Kommission) erarbeitet und von der CENELEC (teils mit Änderungen) übernommen wurden.

DIN EN XXXX ist eine europäische Norm, die in ihrer deutschen Fassung den Status einer deutschen Norm erhalten hat. Grundsätzlich gilt: Wenn europäische Normen (EN) in die jeweiligen nationalen Normenwerke übernommen werden, wird der EN-Nr. das Kennzeichen des nationalen Normeninstituts vorangestellt. Es heißt also nicht EN DIN XXX, sondern immer DIN EN XXXX. Eine DIN EN XXX bezeichnet damit eine Norm, die

  • mit einer internationalen Norm identisch ist und
  • unverändert in allen Ländern des europäischen Wirtschaftsraums übernommen wurde.

DIN ISO XXXX ist eine Norm, die unverändert von der ISO (Internationale Organisation für Normung) übernommen wurde.

DIN IEC XXXX bezeichnet eine Norm, die unverändert von der IEC (Internationale Elektrotechnische Kommission) übernommen wurde.

DIN EN ISO ist eine Norm, die unter Führung von ISO (oder CEN) erarbeitet und dann von beiden Organisationen veröffentlicht wurde.

Einige Normentexte werden in mehrere Teilabschnitte aufgesplittet. Folgt auf die Zählnummer einer Norm nach einem Bindestrich eine Ziffer, so gibt diese den Normteil an.

Hinter der Normenbezeichnung steht nach einem Doppelpunkt meist noch eine Jahreszahl, welche das Entstehungsjahr der vorliegenden Version der Norm angibt. Normen werden in der Regel alle 5 Jahre überprüft.

Vornorm meint einen Standard, der in einer Normungsarbeit entstanden ist, es aber nicht bis zum Status einer tatsächlichen Norm geschafft hat und vom DIN-Institut nicht als Norm herausgegeben wird. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein, z.B. weil Vorbehalte bestehen oder man sich nicht einig wurde. Vornormen werden in der Regel entweder irgendwann in eine Norm überführt oder aber ersatzlos gestrichen. Seit 2009 werden die Ergebnisse von Normungsbemühungen als DIN SPEC (DIN-Spezifikationen) veröffentlich.

Sogenannte Beiblätter enthalten zusätzliche Informationen zu einer DIN-Norm wie z.B. Beispiele, Anmerkungen oder Anwendungshilfsmittel. Sie enthalten jedoch keine neuen normativen Festlegungen. Sie erscheinen ohne Ausgabedatum und sind nicht zwingender Bestandteil der jeweiligen Normausgabe.

Harmonisierte Normen sind solche Normen, die

  • auf europäischer Ebene in allen Mitgliedsländern gleichermaßen gültig und
  • mit den dazugehörenden Richtlinien konform sind.

Zur Bedeutung harmonisierter Normen lesen Sie mehr im Beitrag „Europäische Kommission aktualisiert Liste der harmonisierten Normen zur Maschinenrichtlinie 2006/42/EG“.

HD steht für Harmonisierungsdokumente sind Normen, die bei Übernahme in die jeweiligen nationalen Normenwerke nationale Abweichungen erlauben. An der Bezeichnung der späteren Norm ist das nicht unbedingt erkennbar, wird aber im Text auf dem Deckblatt bzw. den ersten Seiten angegeben.

TR steht für Technische Berichte, das sind Dokumente mit Informationen zu einer bestimmten Angelegenheit, z.B. zum Stand der Technik.

TS ist die Abkürzung für Technische Spezifikationen. Damit gemeint sind Dokumente, die aktuell noch keine Normen sind, sondern bei denen ein späterer Konsens und die Herausgabe als europäische Norm erwartet werden.

Werknormen sind als Ergebnis der Standardisierung innerhalb eines Unternehmens entstanden. Begründer einer Werknorm kann auch eine Behörde oder ein Industrieverband oder eine andere Vereinigung sein. Werknormen gelten meist nur innerhalb des Unternehmens und ggf. für Zulieferer.

Einteilung nach dem Grad der Norm

Grundnorm ist eine Norm, die „ein weit reichendes Anwendungsgebiet hat und Festlegungen für ein bestimmtes Gebiet enthält“ (s. EN 45020).

Fachnorm ist eine Norm „mit Festlegungen für ein bestimmtes Fachgebiet“ (s. DIN 820-3).

Fachgrundnorm ist „eine Grundnorm für ein bestimmtes Fachgebiet“ (s. DIN 820-3).

Einteilung nach dem Inhalt der Norm

Vielfach werden Normen auch nach ihren inhaltlichen Bezügen klassifiziert. Sie definieren jeweils Anforderungen, welche die Produkte erfüllen müssen und dienen in der einen oder anderen Weise als Referenzsystem, damit Produkte, Maße, Leistungen, Schnittstellen usw. verkehrsfähig sind.

Die folgenden Bezeichnungen sind mehr oder weniger gebräuchlich und selbsterklärend: Deklarationsnormen, Dienstleistungsnormen, Fachbereichsnormen, Gebrauchstauglichkeitsnormen, Klassifikationsnormen, Leistungsnormen, Liefernormen, Maßnormen, Organisationsnormen, Planungsnormen, Produktnormen, Prüfnormen, Qualitätsnormen, Schnittstellennormen, Sicherheitsnormen, Stoffnormen, Terminologienormen, Verfahrensnormen, Verständigungsnormen

Einteilung in Grundnormen, Gruppennormen und Produktnormen

A-Normen: Sicherheits-Grundnormen, grundlegende Leitsätze, Begriffe und Aspekte, die für alle Maschinen relevant sind.

B-Normen: Sicherheits-Gruppennormen, Sicherheitsaspekte, die für eine Reihe von Maschinen angewandt werden können.

B1-Normen: Normen, die mehrere ähnliche Maschinen in gleicher Weise betreffen (z.B. notwendige Sicherheitsabstände).

B2-Normen: Normen, die Sicherheitsaspekte und Sicherheitseinrichtungen betreffen, die für verschiedene Maschinengattungen angewandt werden können (z. B. Not-Aus-Schalter).

C-Normen: Sicherheits-Produktnormen/Fachnormen: Normen, auf die Sicherheitsgrundnormen Typ A und -gruppennormen Typ B Bezug nehmen, die jedoch konkreter auf Sicherheitsaspekte und Lösungen für bestimmte Maschinentypen eingehen.

Für den Konstrukteur sind die C-Normen die hilfreichsten. Sie erleichtern die Risikobeurteilung im CE-Konformitätsprozess.

Der Unterschied zwischen Rechtsnormen und technischen Normen

Gesetze und Verordnungen werden im Sprachgebrauch oft als Rechtsnormen bezeichnet. Diesen Rechtsnomen liegen festgelegte staatliche und parlamentarische Verfahren zugrunde. Rechtsnormen müssen grundsätzlich befolgt bzw. eingehalten werden.

DIN-Normen dagegen werden vom (privatwirtschaftlich organisierten) DIN-Institut herausgegeben. Von Juristen werden sie bisweilen zur besseren Abgrenzung zu den Rechtsnormen als technische Normen bezeichnet.

Technische Normen wie die DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern haben den Charakter einer Empfehlung. Sie sind nicht verpflichtend einzuhalten, die Anwendung dieser Normen erfolgt freiwillig.

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