Warum Prüfungen von Bau- und Zubehörteilen im Maschinen- und Anlagenbau unverzichtbar sind

Zu den technischen Dokumenten für eine Maschine oder Anlage können auch Ergebnisse von Prüfungen und Versuchen an Bau- und Zubehörteilen gehören. Denn oft werden beim Zusammenbau von Maschinen und Anlagen zugekaufte Bauteile anderer Hersteller verwendet. Ein Maschinen- oder Anlagenbauer sollte sich nicht blind auf seine Lieferanten verlassen, sondern vertragliche Vereinbarungen treffen. Eigene Prüfungen stellen sicher, dass die Maschine ihrer Konzeption gemäß sicher zusammengebaut wurde und sicher betrieben werden kann.

Ein Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus wird selten jedes einzelne Bauteil selbst herstellen. Spannfutter oder Maschinenfüße oder auch ganz Baugruppen wie Antriebe oder Schutzeinrichtungen werden oft zugekauft und vor Ort montiert. Ein neuer Beitrag im Werk „CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie“ befasst sich ausführlich mit der Dokumentation von Prüfungen und Versuchen an Bau- und Zubehörteilen. Lesen Sie hier in einer verkürzten Version einige wichtige Aspekte.

Zu den technischen Dokumenten für eine Maschine oder Anlage gehören auch Berichte und Ergebnisse zu Prüfungen und Versuchen an Bau- und Zubehörteilen. Ein Hersteller muss diese vornehmen, um zu gewährleisten,

  1. dass die Maschine oder Anlage ihrer Konzeption und Bauart gemäß sicher zusammengebaut bzw. montiert wurde und
  2. dass ein sicherer Betrieb der Maschine oder Anlage als Ganzes möglich ist.

Empfehlenswert: Qualitätssicherungsvereinbarungen

Dass ein Zubehörteil eine CE-Kennzeichnung trägt, verschafft dem Anlagenhersteller, der das Bauteil in einem größeren technischen Zusammenhang verwendet, keine Absolution. Zwar besagt eine CE-Kennzeichnung, dass ein Zubehörteil den grundlegenden Sicherheitsanforderungen der einschlägigen europäischen Normen entspricht. Doch das betreffende Bauteil muss nicht nur sicher sein, sondern auch seinen bestimmungsgemäßen Zweck erfüllen. Diese vertraglich vereinbarten Eigenschaften eines Zukaufteils gehen über Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung (öffentliches Recht) hinaus und sind Sache des Privatrechts.

Die Autorin des Beitrags im Werk „CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie“ rät daher dazu, bei Kaufverträgen Prüfungen für den Nachweis der vereinbarten Qualität zu vereinbaren. Bei wiederholten bzw. längerfristigen Lieferbeziehungen empfiehlt es sich, sogenannte Qualitätssicherungsvereinbarungen schriftliche fixieren. Ein Hersteller stärkt damit seine Rechtssicherheit gegenüber Lieferanten und minimiert seine Produkthaftungsrisiken.

In den vereinbarten Qualitätssicherungsmaßnahmen können z. B. folgende Aspekte festgelegt werden:

  • Qualitätsziele für einzelne Bauteile und Komponenten
  • Qualitätsnachweise seitens des Lieferanten, wie z. B. durchzuführende Qualitätskontrollmaßnahmen, Vorlage von Prüfzeugnissen usw.
  • Austausch von Qualitätsdaten
  • Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme des Lieferanten (z. B. Zertifizierung nach ISO 9001, evtl. mit zusätzlichem Produkt- oder Prozessaudit)
  • Prüf- und Kontrollrechte des Abnehmers
  • Haftungsregelung bei gesamtschuldnerischer Haftung gegenüber einem Geschädigten

(Die Listenpunkte sind leicht überarbeitet dem Kapitel „Dokumentation von Prüfungen und Versuchen an Bau- und Zubehörteilen“ aus dem Werk „CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie“ entnommen.)

Qualitätssicherung von zugekauften Produkten wird mehr und mehr zu einem wesentlichen Baustein eines professionellen Lieferantenmanagements. Neben einer hohen Liefertreue, zuverlässig stabiler Qualität und einer kostenoptimaler Beschaffung sind hier auch Aspekte der Produktsicherheit unbedingt zu berücksichtigen.

Warum CE-Kennzeichnung und Vertragskonformität allein dennoch nicht genügen

Eine Anlage, die vollständig aus CE-konformen Bauteilen zusammengebaut wurde, die zudem jedes für sich auch alle vertraglich festgelegten Qualitätssicherungsaspekte erfüllen, ist damit immer noch nicht zwangsläufig selbst, also als Ganzes gesehen, CE-konform. Entscheidend ist, ob alle Bau- und Zubehörteile zueinander passen und so funktionieren, wie es der von den Konstrukteuren festgelegten Konzeption der Anlage entspricht. Ein Zugriffsschutz vor sich bewegenden Maschinenteilen z. B., der sich durch Vibration unter normalen Betriebsbedingungen löst, kann trotz CE-Kennzeichnung untauglich für die betreffende Anlage sein.

Sämtliche Zubehörteile von Anlagen und Maschinen müssen sicher sein, ihren Zweck erfülllen und miteinander harmonieren

Maschinen Anlagen Bauteile Zubehör Prüfung

Bildquelle: Thinkstock

Anhang VII der Maschinenrichtlinie macht folgende interessante Aussage zu Bau und Zubehörteilen:

Prüfungen und Versuche von Bau- und Zubehörteilen als Anforderung an den Hersteller laut Maschinenrichtlinie

Welche Prüfungen und Versuche der Hersteller vorzunehmen hat, muss dieser selbst ermitteln. Er hat dazu die einschläfigen europäischen Normen zu konsultieren. Die Prüfnachweise sind den technischen Unterlagen hinzuzufügen.

Hinweis. Diese Vorgaben für Prüfungen und Versuche gelten nicht nur im Falle von Bau- und Zubehörteilen, die der Maschinenrichtlinie unterliegen, sondern auch dann, wenn auf ein Bau- oder Zubehörteil andere EU-Richtlinien anwendbar sind.

Der Fachartikel „Dokumentation von Prüfungen und Versuchen an Bau- und Zubehörteilen – das müssen Sie wissen“ im Werk „CE-Dokumentation nach Maschinenrichtlinie“ befasst sich im Weiteren mit zwei wichtigen Fragen:

1) Wie kann ich sicher sein, dass meine Lieferanten die erforderlichen Prüfungen und Versuche durchführen bzw. vorschreiben?

2) Warum ist eine Montageanleitung als Begleitdokument einer unvollständigen Maschine keineswegs ausreichend?

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