Appell an Maschinenhersteller: Geräuschemissionsangaben in Betriebsanleitungen oft mangelhaft

Lärm kann nicht nur lästig sein, sondern auch krank machen, und zwar im Privatleben wie im Beruf. Am Arbeitsplatz sind oft Maschinen und ihre Antriebe die Quelle der größten Lärmemissionen. Der beste Lärmschutz ist, den Lärm gar nicht erst entstehen zu lassen. Nicht zu Unrecht verlangt daher die Maschinenrichtlinie von Herstellern und Konstrukteuren, bereits bei der Entwicklung von Maschinen Maßnahmen zur Lärmminderung vorzusehen. Doch die Angaben dazu in Betriebsanleitungen sind oft unzureichend.

An fast 5 Millionen Arbeitsplätzen in Deutschland sind die Mitarbeiter einer gesundheitsgefährdenden Lärmbelastung ausgesetzt. Trotz der Möglichkeiten, das Gehör durch Ohrstöpsel, Kapselgehörschützer oder Otoplastiken vor den Lärmeinwirkungen zu schützen, ist berufsbedingte Lärmschwerhörigkeit hierzulande die häufigste Berufskrankheit.

Prävention von berufsbedingter Lärmschwerhörigkeit beginnt bei der Konstruktion von Maschinen

Unternehmen können nur dann lärmarme Maschine einkaufen und einsetzen, wenn Ihnen die Angaben zu den Lärmemissionen der Maschine bekannt sind. In Prospekten und Verkaufsunterlagen und nicht zuletzt in den Betriebsanleitungen sollten daher Angaben zur Lärmbelastung, ggf. unter verschiedenen Einsatz- und Betriebsbedingungen, zu finden sein. Nur so können die Mitarbeiter der Beschaffung eines Unternehmens gezielt nach lärmärmeren Modellen suchen und dieses Kriterium in ihren Verkaufsentscheidungen berücksichtigen.

Doch genau in diesem Punkt der klaren und selbstverständlichen Veröffentlichung der Lärmemissionsdaten von Maschinen hapert es. So das Fazit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). In ihren amtlichen Mitteilungen (Ausgabe 1/2014) fordert die Behörde Hersteller und Konstrukteure auf, die Betriebsanleitungen in diesem Punkt zu verbessern.

Lärmschutz ist notwendig, doch ebenso klare Angaben zu Geräuschemissionen in der Betriebsanleitung
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Geräuschemissionen als Kriterium beim Maschinenkauf erleichtern

Die Maschinenrichtlinie fordert u. a., dass Gefahren durch physikalische Einwirkungen (Lärm, Vibration, Strahlung) zu vermeiden sind. In Abschnitt 1.5.8 von Anhang I heißt es, dass Maschinen so konstruiert und gebaut werden müssen, dass „Risiken durch Luftschallemission insbesondere an der Quelle so weit gemindert werden, wie es nach dem Stand des technischen Fortschritts und mit den zur Lärmminderung verfügbaren Mitteln möglich ist“.

Bei dem Vermeiden unnötiger Lärmbelastungen der Mitarbeiter durch Maschinen hat es zweifelsohne in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gegeben. Doch mit der Erfüllung dieser Forderung allein ist es nicht getan. Die Akteure im Einsatzbetrieb, z. B. Einkäufer und Fachkräfte für Arbeitssicherheit, müssen auch die Möglichkeit haben, gezielt Maschinen auszuwählen, welche die Lärmbelastung für die Mitarbeiter senken. Diesen Punkt moniert die BAuA und beruft sich auf eine internationale Studie. In dieser Untersuchung wurden mehr als 1.500 Betriebsanleitungen gesammelt und hinsichtlich der Angaben zu Geräuschemissionen überprüft. Das ernüchternde Fazit: In 4 von 5 Fällen entsprachen die vorgefundenen Angaben nicht den gesetzlichen Anforderungen. Bei knapp 40 Prozent der Betriebsanleitungen fehlten die notwendigen Angaben zu Lärmemissionen sogar völlig. Die BAuA als oberste deutsche Arbeitsschutzbehörde bemängelt daher, dass das Potenzial, den Lärm an Arbeitsplätzen durch Einsatz lärmarmer Maschinen zu mindern, nicht genutzt wird bzw. nicht genutzt werden kann.

„Buy Quiet“ soll Credo beim Kauf von Maschinen werden

Dass Maschinen im Betrieb Geräusche verursachen, ist nicht zu vermeiden. Lautlos arbeitende Maschinen sind eine schöne, aber in den allermeisten Fällen unrealistische Wunschvorstellung. Produktionsprozesse an Metall, Holz, Stein oder anderen Werkstoffen, sich bewegende Maschinenteile, reibende Flächen, Pneumatiken und viele andere technische Prozesse und Komponenten sind nun mal mit dem Entstehen von Luftschall verbunden.

Doch oft gibt es durchaus Möglichkeiten, Lärmemissionen zu senken, etwa indem ein pneumatischer durch einen elektrischen Antrieb ersetzt wird. In anderen Fällen können z. B. aus anderen Gründen notwendige Elemente wie Schutzeinrichtungen zusätzlich schallhemmend verkleidet werden. Daher gilt es, die technischen Möglichkeiten zur Lärmminderung konsequent zu nutzen und dies auch zu kommunizieren. Maßgeblich ist die DIN EN ISO 11688 „Akustik – Richtlinien für die Konstruktion lärmarmer Maschinen und Geräte“. Diese Norm zählt zu den B1-Normen, welche sich mit übergeordneten Sicherheitsaspekten von Maschinen wie Temperatur, Brandgefahr, Ergonomie oder Lärm befassen.

Hersteller, Konstrukteure und Technische Redakteure sind gefordert, folgende Punkte zu beachten:

  • Jeder Hersteller ist verpflichtet, in einer Risikobeurteilung alle mit seiner Maschine verbundenen Gefährdungen zu ermitteln. Zu diesen Gefährdungen gehören auch die Gesundheitsgefährdungen durch Lärm.
  • Eine Betriebsanleitung muss laut Maschinenrichtlinie u. a. „Installations- und Montagevorschriften zur Verminderung von Lärm und Vibrationen“ enthalten.
  • Hinweise auf das Verwenden von Gehörschutz in der Betriebsanleitung sind gut und richtig. Sie allein genügen jedoch nicht und dürfen keinesfalls konkrete Angaben zu den Geräuschemissionswerten der Maschine ersetzen.
  • Weniger Lärm am Arbeitsplatz erhält die Gesundheit der Mitarbeiter und steigert die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Immer mehr Betriebsleiter erkennen dies. Wer lärmarme Maschinen konstruiert, aber unterlässt, dies in Werbung und Dokumentation darzustellen, vergibt eine Chance zur Kundengewinnung.

Tipp: Auf einem Webportal der BAuA ist ein nützliches Muster-Dokument erhältlich. Es gibt an, welche Geräuschemissionsdaten ein Maschinenhersteller zur Verfügung stellen sollte und welche Emissionswerte angabepflichtig sind. Download: Geräuschdatenblatt in Anlehnung an DIN EN ISO 11690-1.

Geräuschemissionen von Maschinen spielen in der Marktüberwachung nicht gerade die Hauptrolle, von dieser Seite ist nicht unbedingt ein großer Handlungsdruck auf die Hersteller zu erwarten. Daher soll laut BAuA-Angaben eine Arbeitsgruppe nun vermehrt Aufklärung leisten. Zum Beispiel sollen Leitfäden für Hersteller und Einkäufer erstellt werden. Über Fachdokumente will man gerade KMU im Maschinenbau die wichtigen Kenngrößen wie Emissions-Schalldruckpegel oder Schallleistungspegel nahebringen und das Messen dieser Größen erläutern. Außerdem wird eine Checkliste für die Prüfstellen in Europa erarbeitet. Damit sollen Prüfverfahren für Maschinenlärm vereinheitlicht werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema im Fachbeitrag „Lärmemissionen von Maschinen: Angaben oft unzureichend!“.

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